Mit dem digitalen Riesenteleskop LOFAR spähen Radioastronomen bald in die Tiefen des Weltalls. Quer über Europa verteilt liefern unscheinbare Antennenfelder
demnächst einzigartige Bilder vom jungen Kosmos, und auch die Jagd nach Radioausbrüchen von Schwarzen Löchern und Supernovae ist eröffnet.
Schon als junge Doktoranden durften
wir dem Giganten in Effelsberg Befehle
erteilen. Aus der Beobachtungskanzel
des bei Bonn gelegenen 100-Meter-Radioteleskops heraus hatten wir zudem
einen prächtigen Blick auf dessen große
weiße Schüssel. Waren andere Riesenteleskope
bereits in sich zusammengebrochen – wie das
91-Meter-Green-Bank-Instrument in West
Virginia im Jahr 1988 –, verrichtete dieses
Meisterstück deutscher Wertarbeit nach 25
Jahren noch immer klaglos seinen Dienst.
Kaum waren Himmelskoordinaten in den
Computer eingetippt, bewegte sich der 3200
Tonnen schwere Koloss scheinbar mühelos in
eine neue Richtung.
Sechs Minuten brauchte
er für eine Drehung um 180 Grad, um dann
zum Beispiel eine der wenigen hellen Radioquellen
am Himmel zu fokussieren, anhand
derer wir unsere Messungen kalibrierten. Das
waren zwar sechs Minuten, während derer
man nicht messen konnte. Aber für jeden, der
einst staunend vor großen Baggern, Kränen
und Lokomotiven stand, wurden Kindheitsträume
wahr – und wir wurden dafür auch
noch mit dem Doktortitel belohnt.
Die Effelsberger Riesenschüssel ist inzwischen
36 Jahre alt, dank ständiger Verbesserungen
aber weiterhin stark gefragt. Doch eines
Tages werden Erfahrungen wie die unseren leider
der Vergangenheit angehören. Heute bauen
wir mit unseren Kollegen ein Riesenradioteleskop
der nächsten Generation: LOFAR, das
sich von den Niederlanden aus bald über ganz
Europa erstreckende Low-Frequency Array. Binnen
einer Sekunde wird es zu jedem beliebigen
Ort am Himmel »schalten« können. Es wird sogar in mehrere Richtungen gleichzeitig...