Asteroiden
Der Tunguska-Explosion auf der Spur
Seit hundert Jahren rätseln Wissenschaftler über die Ursache einer riesigen Explosion, die im Jahr 1908 Zentralsibirien erschütterte – bislang vergeblich. Bei einer abenteuerlichen Expedition stieß ein Forscherteam nun auf Hinweise, mit deren Hilfe es gelingen könnte, das Geheimnis bald zu lüften.
Der russische Bauer gehört zu jenen Augenzeugen, die dem Entsetzen erregenden Geschehen wohl am nächsten gewesen waren. Als Tunguska-Ereignis ging es mittlerweile in die Annalen ein: der in der modernen Menschheitsgeschichte vermutlich heftigste Einschlag eines Objekts aus dem Weltraum auf der Erde. Semenjow selbst befand sich etwa 65 Kilometer vom Ort der Explosion entfernt, doch sogar aus Nordeuropa und Zentralasien berichteten Zeitgenossen von ausgedehnten, silbrigen Wolken und leuchtenden, farbenfrohen Sonnenuntergängen. Der Nachthimmel über Großbritannien war geradezu hell erleuchtet: Um Mitternacht sollen Londoner auf unbeleuchteten Straßen mühelos die Zeitung gelesen haben.
Auch Geophysiker registrierten das Ereignis anhand von Luftdruckwellen und seismischen Beobachtungen und orteten es in einem abgelegenen Teil Sibiriens. Das Epizentrum der Explosion lag nahe dem Fluss Podkamennaja Tunguska (»Steinige Tunguska«) – in einer unbewohnten Region der sumpfigen Taigawälder, wo der Boden während acht oder neun Monate in jedem Jahr gefroren ist.
Seit hundert Jahren fasziniert das Tunguska- Ereignis Wissenschaftler und interessierte Laien gleichermaßen – wohl auch deshalb, weil seine Ursache weiterhin im Dunkeln liegt. Zwar nehmen die meisten Forscher an, dass damals ein Objekt aus dem Weltraum, wohl ein Asteroid oder ein Komet, über dem sibirischen Himmel explodierte. Doch weder Bruchstücke noch Einschlagkrater wurden gefunden. Nun aber steht unser Team, nachdem es die jüngste der zahlreichen wissenschaftlichen Exkursionen in jenes Gebiet unternommen hat, vielleicht kurz vor einer aufregenden Entdeckung.
Das Tunguska-Ereignis ist kein Einzelfall in der Erdgeschichte, und genau darum ist seine Aufklärung so wichtig. Frühere Kollisionen mit extraterrestrischen Objekten hatten erhebliche Auswirkungen auf


Luca Gasperini, Enrico
Bonatti und Giuseppe Longo untersuchen das Tunguska-Rätsel
seit vielen Jahren. Gasperini forscht
am Institut für Meereskunde im
italienischen Bologna. Bonatti
ist Professor für Geodynamik an der
römischen Universität La Sapienza
und Gastwissenschaftler am
Lamont-Doherty-Erdobservatorium
der New Yorker Columbia University.
Longo ist Professor für Physik an
der Università di Bologna.
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1. Dem Rätsel zwei weitere angefügt
26.06.2008, Dieter Perthes, Neuwied-Rodenbach1) Wie ist es möglich, dass ein etwa metergroßes Bruchstück mit einer Geschwindigkeit von weniger als einem Kilometer pro Sekunde – dies entspricht etwa der Höchstgeschwindigkeit eines Kampfjets – einen 350 mal 500 Meter weiten und etwa 50 Meter tiefen Krater reißt? Ein mit dieser Geschwindigkeit abstürzender Kampfjet müsste wegen seiner um ein Vielfaches größeren Masse einen entsprechend größeren Krater verursache – vergleichbar etwa einem Eifelmaar. Dergleichen ist aber bisher nicht bekannt geworden.
2) Wie ist es möglich, dass der heute vom Tschekosee gefüllte ellipsenförmige Krater, um den der Geophysiker Michele Pipan sich mit seinem Radargerät herumarbeitete, im Umfang nur etwa 500 Meter misst?
Oder hat hier nur der Zahlenteufel wieder zugeschlagen und im ersten Fall bei der Geschwindigkeit hinten eine Null, im zweiten Fall beim Umfang vorne eine Eins kassiert?
2. Wenn eine Wasserwolke auf die Erdatmosphäre trifft
27.08.2008, Markus Böhm, SeegDieser Vorgang wird durch Gezeitenkräfte bewirkt: die Seite des Kometen, die dem Planeten zugewandt ist, erfährt von diesem eine geringfügig stärkere Anziehungskraft als die abgewandte Seite. Besteht der Komet aus einzelnen Stücken, die nicht sehr fest zusammengefügt sind, so werden sie unterschiedlich stark abgelenkt und ihre Bahnen streben fächerförmig auseinander. Besteht der Komet aus (beziehungsweise enthält er) Eis, so wird er durch die innere Reibung zu einer Wasserwolke aufgetaut.
Verschiedene Schicksalsszenarien sind nun möglich. Bekannt sind jene Kometen, die sich in Sonnennähe auflösen und völlig verschluckt werden. Bewegt sich eine Wasserwolke etwas weiter von der Sonne weg, aber innerhalb der so genannten "Schneegrenze", das heißt, in etwa nicht weiter als Jupiter von der Sonne entfernt, so verdampft sie. Durch den inneren Gasdruck, bläht sie sich immer mehr auf, ebenso treibt der Sonnenwind sie auseinander und manipuliert die Richtung.
(Interessant ist auch folgende Fragestellung: Kann ein Komet, der eine exzentrische elliptische Bahn hat und im Perihel in Sonnennähe in eine Kette auseinandergezogen worden ist, sich auf seinem weiteren Weg in Richtung Aphel wieder ganz oder teilweisen zusammenfügen?)
Was passiert, wenn eine Wolke aus Wassertropfen oder Dampf mit sagen wir 50 km/sek. auf die Erdatmosphäre trifft. Vor circa drei Jahren war ich Zeuge eines Ereignisses, welches ich als solch einen Vorgang im Kleinformat gedeutet habe. Eine Art Meteor schoss mit einer langen Bahn und einer Geschwindigkeit wie andere Meteore auch über den klaren winterlichen Nachthimmel. Es war aber kein kleiner Punkt, sondern ein großer Fleck von schmutzig rotbrauner Farbe, gleichmäßig verteilt, ohne einen hellen Kern und ohne scharfen Rand, nicht besonders hell, aber doch deutlich sichtbar. Die scheinbare Größe war etwas kleiner als die des Mondes, nach einer spontanen Abschätzung. Gehe ich wie bei anderen verglühenden Meteoren von einer Höhe von 80 km aus, so hatte er einen Durchmesser von circa 1/2 km. Wenn es sich tatsächlich um eine Wasserdampfwolke gehandelt hat, so mag der ursprüngliche Eisklotz vielleicht nur wenige Kubikdezimeter betragen haben.
Beruht das Tunguska-Ereignis auf einer Wasserpfütze, die ursprünglich ein Eisklotz von 10 Meter Durchmesser war und mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre geschossen kam? Wenn es solche Ereignisse auf der Erde oder dem Mond tatsächlich gibt oder gegeben hat, wie müssten dann eindeutig interpretierbare Spuren aussehen?