Hirnforschung
Die unterschätzte weiße Hirnmasse
Früher stand sie im Schatten der "kleinen grauen Zellen". Doch die weiße Substanz unterhalb der Hirnrinde hat unerwartet große Bedeutung. So hilft sie beim Lernen, kann aber auch geistige Störungen bedingen, wenn sie nicht richtig funktioniert.
In der grauen Substanz – der Hirnrinde mit den berühmten "kleinen grauen Zellen", wie es nicht ganz korrekt heißt – spielen sich die mentalen Verrechnungsprozesse ab. Dort stecken auch die Gedächtnisinhalte. Denn in der Hirnrinde, dem Kortex, befinden sich die Entscheidungsträger: die Zellkörper der eng untereinander vernetzten Nervenzellen oder Neurone. In der Tiefe aber liegt die weiße Substanz. Sie macht beim Menschen fast die Hälfte des Gehirns aus, mehr als bei jedem anderen Lebewesen. Diese weiße Hirnmasse besteht großenteils aus Millionen langer Verbindungskabel. Jedes davon enthält einen Nervenzellausläufer, der Signale zu anderen Neuronen weiterleitet – ein so genanntes Axon. Viele dieser Axone sind mit fetthaltigem, weißlichem Myelin umwickelt, auch als Myelin- oder Markscheide bezeichnet. Wie in einem Telefonnetz verlaufen diese Kabel in Bündeln und Strängen, die sich dann wieder teilen und Neurone verschiedener, oft entfernter Hirnorte miteinander verbinden.
Früher hatten Neurowissenschaftler an der weißen Substanz wenig Interesse. Sie glaubten, die Myelinscheide diene bloß zur elektrischen Isolierung, und die Nervenzellausläufer seien kaum mehr als passive Leitungsbahnen. Deswegen drehten sich Theorien zum Lernen, zum Gedächtnis oder zu psychischen Störungen hauptsächlich um das molekulare Geschehen einerseits in den Neuronen selbst, andererseits an den Synapsen, den winzigen Kontaktstellen zwischen Nervenzellen.
Inzwischen merken die Forscher, dass sie die weiße Substanz unterschätzt haben. Den Informationsaustausch zwischen den Hirnregionen beeinflusst sie stärker als gedacht. So kann geistige Betätigung des Gehirns ihre Menge steigern. Umgekehrt gehen manche Hirnstörungen mit einem Myelinmangel einher. Studien zeigen auch, dass die weiße Hirnmasse zunimmt, wenn jemand etwas neu lernt oder viel übt, etwa ein Musikinstrument. Sicher – die mentalen Operationen für Denken und Verhalten führt die graue Substanz durch. Aber die weiße Substanz des Gehirns dürfte die Verstandesarbeit, die soziale Kompetenz und den Lernerfolg viel stärker mitbestimmen als früher vermutet. Mit ihrem Verhalten können wir nun auch besser als bisher erklären, warum ältere Menschen nicht mehr so leicht Neues lernen.
Mehr als nur Kabelsalat
Seit jeher gab das Myelin der Wissenschaft Rätsel auf. Schon lange hatten mikroskopische Untersuchungen gezeigt, dass die extrem langen, dünnen Ausläufer von Nervenzellen – die Axone – oft in einen fetthaltigen, weißlich erscheinenden Mantel gehüllt sind. Doch glaubten die Forscher zunächst, diese Myelin- oder Markscheide diene allein der elektrischen Isolierung – ähnlich wie der Gummiüberzug bei einem Kupferkabel. Nur – wieso war der Mantel mancher Axone dicker, der anderer dünner, und wieso waren viele Fasern, besonders die dünneren, so gut wie nackt? Und wozu wies die Myelinscheide ungefähr alle Millimeter eine kleine Lücke auf, Ranvier-Schnürring genannt?
Erst viel später stellte sich heraus, dass Nervenimpulse an einem myelinisierten Axon grob gesagt 100-mal schneller vorwärtskommen als an einem nackten. Denn Myelin umwickelt die Nervenfaser zwischen den Lücken tatsächlich wie ein Isolierband, und zwar mit bis zu 150 Schichten. Dank dieser Hüllschicht springt das elektrische Signal regelrecht von einem Schnürring zum nächsten. Dieses Prinzip gilt im Gehirn ebenso wie bei Nervenfasern, die sich durchs Rückenmark oder in die Extremitäten ziehen


R. Douglas Fields arbeitet als
Neurobiologe bei den amerikanischen
National Institutes of
Health in Bethesda (Maryland) am
National Institut of Child Health and
Human Development. Dort leitet er
die Abteilung Entwicklung des
Nervensystems und Plastizität.
Zuletzt erschien von ihm bei
"Spektrum der Wissenschaft" im
November 2007 ein Artikel über
den Elektrosinn der Haie.
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1. Bedeutung der Gliazellen
02.10.2008, Prof. Dr. Manfred Blank2. Myelinisierung der Großhirnbereiche
06.10.2008, Georg Weitzsch, AchbergAuch sollte man, um nicht vorschnelle Schlüsse zu fördern, allgemein bei solchen Bildern nicht von "Aufnahmen", sondern von "Berechnungen auf der Basis von MRT-Messungen" o.ä. sprechen. Weiterhin wäre hier zur Bewertung der Relevanz eine Angabe interessant, ob es sich um die Messserie einer Person handelt oder um Durchschnittsberechnungen an mehreren Personen.
3. Wie können Gliazellen die Neuronen beeinflussen?
10.11.2008, Stefan Pschera, Erlbach- Nerven und Gliazellen stehen im regen Austausch,
- Astrozyten geben vor und die Neuronen folgen (intelligente Glia),
- nimmt die Glia Einfluss auf die Synapsenbildung,
- Gliazellen unterhalten sich,
- Erregungsleitungen durchlaufen verbundene Neurone, die Glia ist da viel zu träge
- die Glia registriert Neuronenaktivität in ihrer Nähe,
- die Glia arbeitet mit chemischen Signalen,
- die Glia belauscht die Gespräche der Neuronen,
- schaffen für Neurone das richtige Umgebungsmilieu und versorgen,
- Gliazellen nehmen neuronale Impulse wahr,
- Astrozyten führen Energie zu, die sie den Blutkapillaren entnehmen,
- fischen überschüssige Transmitter und Ionen ab,
- Gliazellen sagen Botschaften weiter,
- Gliazellen besitzen Rezeptoren für Neurotransmitter,
- Schwannsche Zellen erfassen einen Nervenimpuls und geben diese Information an andere Gliazellen weiter
- feuernde Axone stimulieren ihre eigene Umhüllung
- die Glia redet mit beim Speichern von Erfahrungen
- ohne Astrozyten bilden die Neuronen unsinnige Synapsen, sogar mit sich selbst
Aber immer noch bleiben Gliazellen Hilfszellen. Hier nun ein anderer, weitergehender Denkansatz: Die Neuronen leisten über Erregungsketten und die Glia bewertet diese Leistung im Detail. Um zu bewerten, bedarf es Information über das erfolgreiche Tun der Neuronen. Deshalb:
- horchen die Astrozyten die Neuronen ab usw.,
- unterhalten sich Gliazellen usw.,
- die dicken Myelinhüllen (zur Isolation reicht viel weniger) leiten Signale rückwärts, berichten zurück.
Und wie können Gliazellen die Neuronen beeinflussen? Ganz einfach nach einem uralten Prinzip. Wer korrekt leistet, erhält viel Nährstoffe. Deshalb sind Astrozyten zwischen Neuron und Blutbahn. Filtern kann schon eine Membran, da
braucht es keine Extrazelle. Neuronen bilden auf Verdacht lose Synapsen und warten auf eine Belohnung durch die Glia. Auch Letzteres ist bekannt.