Spektrum der Wissenschaft: Das Sonnenlicht
als Energiequelle ist eine Zukunftsoption,
die das Bundesministerium für Bildung und
Forschung kräftig fördert. Allein 360 Millionen
Euro stellt es dabei gemeinsam mit namhaften
Industrieunternehmen für "organische
Photonik" zur Verfügung. Was verbirgt sich
hinter diesem Schlagwort?
Lukas Schmidt-Mende: Fotovoltaik, wie sie
beispielsweise Hausbesitzer auf ihren Dächern
installiert haben, verwendet den Halbleiter Silizium,
um aus Licht Strom zu gewinnen. In
organischen Solarzellen übernehmen Farbstoffe
oder Polymere – also Kunststoffe – diese
Aufgabe. Solche Zellen bestehen aus Folien,
nicht aus Chips. Sie sind flexibel und hoffentlich
auch deutlich günstiger zu fertigen.
Spektrum: Wie kommt nun die Nanotechnologie
dabei ins Spiel?
Schmidt-Mende: Fällt Licht auf ein Farbstoffmolekül
oder ein lichtaktives Polymer,
werden Elektronen auf höhere Energieniveaus
gehoben. Das aber ist erst die halbe Miete –
sie bleiben im Molekül. Wir müssen sie in ein
Leitungsband bringen, also in einen Zustand,
in dem sie frei beweglich sind, denn nur dann
fließt Strom. Bleiben wir mal bei den Farbstoffen.
Die bringen wir beispielsweise auf
Kügelchen aus Titandioxid auf, mit einem
Durchmesser von gerade einmal 20 Nanometern.
Die höheren Energieniveaus des Farbstoffs liegen so, dass ein Hinübertunneln der
Elektronen in das Leitungsband der Halbleiterkügelchen
energetisch günstig ist. Von dort
können sie abgeleitet werden. Jetzt muss man
noch dafür sorgen, dass die so genannten Löcher
– also die Stellen im Farbstoffmolekül,
an denen nun Ladung fehlt – wieder aufgefüllt
werden, damit der Zyklus von Neuem beginnen
kann. Als Elektronenspender fungiert
meist ein Kunststoff namens Spiro-OMeTAD,
der die Räume zwischen und oberhalb
der beschichteten Nanokügelchen auffüllt.
Trotz ihrer Komplexität ist die ganze Struktur
oft nur ein tausendstel Millimeter dünn.
Spektrum: Schön und gut, aber lässt nicht
noch der Wirkungsgrad zu wünschen übrig?
Schmidt-Mende: Kommerzielle Siliziumfotovoltaik
setzt heute meist nur 12 bis 15 Prozent
der einfallenden Lichtenergie in Strom
um. Das kann man durchaus noch verbessern,
dazu müssen die Halbleitermaterialien aber
aufwändig und mit großem Energieeinsatz gereinigt
werden. Das schraubt die Kosten immens
in die Höhe. Organische Solarzellen erreichen
zurzeit sogar nur knapp die Hälfte der
möglichen Effizienz, ...