Wann regierte König Salomon – oder ist er nur ein Mythos? Eine Korrektur der Standarddatierung Palästinas um 100 oder gar 200 Jahre könnte Archäologen die Suche nach Belegen erleichtern, hätte aber auch Folgen für die ägyptische Geschichtsschreibung.
Keine 500 Kilometer lang und mitunter
nur 15 Kilometer breit, arm
an Rohstoffen und überdies zur
Hälfte von Wüste bedeckt – man
sollte kaum glauben, dass Palästina seit der
Antike heiß umkämpft ist. Doch seine fruchtbaren
Täler und Hochebenen, vor allem aber
seine strategisch günstige Lage weckten stets
Begehrlichkeiten: Wer über die Levanteküste
herrschte, kontrollierte Land- und Seewege
zwischen Ägypten, Mesopotamien und den
Reichen Kleinasiens. Dementsprechend ist die
Geschichte des Heiligen Landes eng mit der
seiner Nachbarn verknüpft.
Wer sie erkundet, steht rasch im Licht der
Öffentlichkeit: Ob eine Grabung Berichte des
Alten Testaments bestätigt oder widerlegt, liefert
heutzutage nicht nur Argumente für oder
gegen die Bibel, sondern sogar für oder gegen
das Existenzrecht des modernen Staates Israel.
Umso wichtiger ist eine wissenschaftlich geführte
und offene Diskussion in der Bibelarchäologie.
Dem naiven Optimismus des 1955 publizierten Sachbuchs "Und die Bibel hat
doch Recht" wird sich heute niemand mehr
anschließen, und die Kritik des Archäologen
Israel Finkelstein von der Tel Aviv University
findet immer mehr Zuhörer: Grundlegende
Bausteine biblischer Geschichte passen seines
Erachtens nicht zum archäologischen Befund.
Oder 2002 von ihm zugespitzt formuliert: Es
gab "keine Posaunen vor Jericho".
Damit spielte er auf die in der Bibel überlieferte
kriegerische "Landnahme" in Kanaan
an, einen der Gründungsmythen Israels. Als
Pharao der Heiligen Schrift gilt Ramses II.,
der laut heute gängiger Chronologie Ägyptens
ab 1279 v. Chr. regierte. Demnach hätte das
Volk Gottes Jericho im Lauf des 13. Jahrhunderts
erobert. Damals jedoch existierte Jericho
als Stadt nicht mehr. C-14-Datierungen zufolge
wurden...