Zum eigentlichen Entwicklungsschub haben vor allem deutliche Fortschritte in der Speichertechnologie und insbesondere bei Batterieelementen beigetragen – forciert durch transportable elektronische Geräte wie Handys, iPods, PDAs und Laptops. Und doch haben sich deutsche Autoschmieden der Elektromobilität bis vor ein, zwei Jahren mit aller Macht entgegengestemmt. Sie setzten auf den sparsamen Diesel und vertrauten auf deutsche Ingenieurkunst, mittels derer sich die Emissionen am Ende des Auspuffs schon unter die gesetzlichen Grenzwerte bringen lassen würden.
Außerdem schien man mit Wasserstoff und Brennstoffzelle noch Trümpfe im Ärmel zu haben. Daimler arbeitet seit 1994 an dieser Technologie, investierte nach eigenem Bekunden bereits mehr als eine Milliarde Euro und hat sich die derzeit größte Brennstoffzellen-Fahrzeugflotte zugelegt. Dennoch stehen noch immer keine Fahrzeuge beim Händler, zu ambitioniert waren die ursprünglichen Ziele. Anfangs sollte das Brennstoffzellenfahrzeug sogar gänzlich ohne Batterie auskommen. Das Hybridauto (Hybrid Electric Vehicle, HEV) hingegen, das in Japan und den USA sukzessive den Markt aufräumt und ihn für reine Elektroautos aufnahmefähig macht, wurde in Deutschland noch bis vor Kurzem heftig boykottiert


Reinhard Löser ist promovierter
Physiker, habilitierter Volkswirt
sowie intimer Kenner der Automobilindustrie.
Als freier Autor lebt er
in Ebenhausen bei München. 

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1. Das Problem der Batterien
22.02.2009, Torsten Danielzik, Bückeburg2. Generelle Beschönigung?
24.02.2009, Thomas WietoskaWas ich jedoch noch weitaus bedenklicher finde als die generelle Beschönigung der Elektroautos, sind die Angaben der Hersteller. Nimmt man den in Ihrem Heft vorgestellten Tesla, so wird dieser mit 360 km Reichweite beworben. Nicht viel, wenn man dann mindestens 4 Stunden "nachtanken" muß. Liest man aufmerksam den Artikel, so wird man schnell stutzig. Dort wird von 225 kW Motorleistung und 53 kWh Energiegehalt der Akkus gesprochen. Rechnerisch ist nach etwa 15 Minuten Vollgas Schlussß. Selbst bei über 200 km/h sind das kaum mehr als 50 km. Gehe ich davon aus, das ein Auto etwa 40 kW braucht, um 160 km/h zu fahren (was der Erfahrung nach so ist, wenn man Höchstgeschwindigkeit und Leistung der Autos vergleicht), eine für so einen Wagen gemütliche Geschwindigkeit, so ist nach nicht einmal 200 km Schluss. Weiterhin fällt mir auf, das diese Akkus ("Notebookakkus", vermutlich Rundzellen Typ CGR18650) keinesfalls für Belastungen mit 4 C (also Entladeleistung 4 mal so hoch wie der Energiegehalt) ausgelegt sind. Und auch kalte Temperaturen machen den Zellen zu schaffen. Hinzu kommt, das nach etwa 500 Zyklen die Kapazität schon um mehr als 20 Prozent abnimmt. (Quelle: http://www.actec.dk/Panasonic/pdf/CGR18650E.pdf).
Man könnte argumentieren, das die Messung von Durchschnittsverbrauch und somit die Reichweite von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren auch unter nicht realistischen Bedingungen stattfinden. Nur geht es dort nicht um die Halbierung oder gar Drittelung der angegebenen Reichweite bei etwas zügigerer Fahrweise. Selbst bei sportlicher Fahrweise sind die erzielbaren Reichweiten nur rund 20 Prozent geringer als Werksangaben. Wenn ich mir vorstelle, über 100.000 Euro für ein Fahrzeug auszugeben - und bei einer Vollgasfahrt ist nach nicht einmal 100 km Ende, und das für mindestens vier Stunden, nämlich die benötigte Zeit zum Aufladen???
Es ist wieder einmal typisch für die politisch so geförderte Elektroauto-Branche, statt reale Betrachtungen (CO2-Ausstoß bei vorhandenem Energiemix, Einbeziehung der Akkuentsorgungs-Problematik, tatsächlich mögliche Leistungsmerkmale, Infrastruktur für Ladung) nur die üblichen Schlagworte zu predigen. Warum nicht einfach dazu stehen, das zur Zeit diese Technik einfach nicht ansatzweise eine Alternative ist. Und kein Mensch scheint auf die Idee zu kommen, dass für die Stadtfahrten zur Arbeit von wenigen Kilometern auch ein Fahrrad genutzt werden kann. Besser kompliziert als das Naheliegende. Lieber das Geld in einen Ausbau der Radwege in der Stadt und im Umland investieren, damit man auch sicher mit wettergeschützten Liegerädern zur Arbeit fahren kann. Diese kosten nur wenige tausend Euro und sind wirklich umweltfreundlich. Die "Ladezeit" beträgt rund eine Minute für das Verspeisen eines Müsliriegels.
Im Übrigen fahre ich nach Belieben mit einem sparsamen TDI, einem sehr gut motorisierten Sportwagen oder dem Rad die rund 40 km zur Arbeit. Somit bin ich relativ neutral und für vieles offen, solange die Vorschläge auch wirklich im realen Leben ohne schwachsinnige Auflagen und Zusatzabgaben durchsetzbar sind.
3. Das Auto neu erfinden!
24.02.2009, Nikolaus Viebahn, BonnSoll die Auto-Mobilität Zukunft haben, genügt es nicht, den Tank durch Akkus oder Brennstoffzellen zu ersetzen. Das Auto muss neu erfunden werden.
4. Fahren mit Windstrom
24.02.2009, Lothar Busold, MannheimHier wäre eine Lösung möglich, von der drei Partner etwas haben: Automobilhersteller, Energieerzeuger und Politik. Die Autobranche will ihre Kunden billig tanken lassen und erwirkt, dass die Akkus im Moment eines Stromüberschusses betankt werden. Zu einem sehr geringen Preis, denn der Strom wäre ansonsten ja unverkäuflich. Der Energieerzeuger freut sich über die geglättete Verbrauchskurve, die Politik kommt mit ihren CO2-Sparzielen voran.
Ist das nicht unendlich schwierig, das abzurechnen? Vermutlich nicht, denn das Gegenstück auf der Angebotsseite gibt es schon. Ein Biogasbauer, der laut Einspeisegesetz 15 ct/kWh bekommt, darf augenblicklich an die Leipziger Strombörse wechseln und dort verkaufen, wenn er dort 17 Cent bekommt. Und selbstverständlich wieder zum EEG wechseln, wenn der Preis auf 14 Cent fällt. Dies ist so seit dem 1.1. 2009. Und es war nicht zu hören, dass die Abrechnung irgendwelche Probleme gemacht hätte.
Preislich kann das Elektroauto noch nicht ganz mit dem Benziner mithalten, aber unter diesen Umständen käme natürlich von mehreren Seiten her Bewegung in die Preisfront.
Also man hat jetzt nicht mehr den Tiger im Tank, sondern den Lothar. Nicht mich natürlich, sondern den gleichnamigen Orkan.
5. Elektroautos sind derzeit nicht wirtschaftlich
26.02.2009, Dr. Karl-Heinz Decker, Aiglsbach/BayernRechnet man für ein ziemlich kleines Auto mit Kosten für den Ersatzakku von 10.000 bis 15.000 Euro, dann ist das mehr, als der Betreiber dieses Fahrzeugs für Benzin- oder Dieseltreibstoff für 100.000 Kilometer bezahlen müsste. Da sich der Staat bei größeren Anteilen an Elektroautos natürlich den derzeitigen Mineralölsteueranteil am Kraftstoff nicht entgehen lassen wird, muss ein Mautsystem eingeführt werden, womit die Kosten für das Elektrofahrzeug wiederum erhöht werden.
Ein anderes Problem wurde von einem Leserbriefschreiber bereits angesprochen: Sind denn unsere Stromversorgungsanlagen und -netze für diesen zusätzlichen Strombedarf ausgelegt? In den USA findet derzeit ein Großversuch mit Elektro-Minis statt. Laut einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung (26.02.2009) gab es in einigen Testgebieten erhebliche Probleme mit der Bereitstellung der Leistung.
Was mir in der veröffentlichten Meinung besonders übel auffällt ist, dass viele Redakteure offensichtlich nur die Firmenprospekte abschreiben. Da wird vom emissionsfreien Auto fabuliert. Die Emissionen werden an anderer Stelle erzeugt. Insbesondere in einem Land wie Deutschland, in dem sehr viel Elektrizität aus dem schmutzigsten Brennstoff, der Braunkohle, erzeugt wird, sind die Werbeaussagen gewisser Hersteller reiner Hohn.
Überall wird nur von der Leistungsaufnahme des Elektromotors im Fahrzeug gesprochen. Was ist mit den Nebenaggregaten wie Scheinwerfer, Heizung im Winter, Klimaanlage im Sommer? Was ist mit den Übertragungsverlusten und den Verlusten bei Ladung und Entladung der Akkumulatoren? Summiert man diese auf, so kommt man auf ca. 20 bis 25 Prozent Verluste!
Über den Tesla-Sportwagen wurde in diesem Forum bereits geschrieben. Der in diesem Brief dargestellte Sachverhalt entspricht den Tatsachen und wurde bei einem Test vom ADAC nicht nur bestätigt, sondern sogar übertroffen: Der Tester fuhr wohl etwas schnell. Das Fahrzeug blieb mit defektem Akku liegen, da dieser zu heiß geworden war.
Und das Märchen von Wind- und Wasserkraftnutzung durch Elektrofahrzeuge ist doch ebenfalls eine Fabel: Wenn Elektrizität gebraucht wird, dann wird sie geliefert, egal woher sie kommt. Und sind wir doch einmal realistisch: Mit dem geringen Anteil an erneuerbaren Energien in Deutschland ließe sich doch nur ein geringer Anteil von Elektroautos wirklich emissionsfrei betreiben.
Es wurde sehr auf die deutsche Autoindustrie eingeprügelt, weil sie angeblich eine Entwicklung verschlafen habe.
Was man der deutschen Autoindustrie anlasten kann, dass ihre Öffentlichkeitsarbeit erbärmlich war. Ansonsten kann es jedes neue Dieselfahrzeug sowohl bezüglich Wirtschaftlichkeit und auch Umweltrelevanz mit jedem Elektroauto aufnehmen.
6. Elektroautos sind ein Nischenprodukt?
05.03.2009, Friedrich Braun, BonnFür den E-Mini-Versuch in Berlin werden z.B. Kandidaten gesucht, die entweder privat über eine Garage oder einen Carport oder beruflich über einen Stellplatz verfügen.
Wenn diese Bedingung auf 10 Prozent aller Autofahrer zuträfe, wäre das sicherlich schon hochgegriffen.
Wie soll das zweifelsfrei vorhandene Risiko bei frei zugänglichen Plätzen, wie z.B. bei einem Carport, eigentlich gelöst werden? Ganz zu schweigen von einem unbewachten Fahrzeug vor der Haustür.
Da bin ich mal gespannt, wie diese Fragen gelöst werden.
Ich fahre zur Zeit ein Dieselfahrzeug mit einem Tankvolumen von 50 Litern. Damit komme ich 1000 km weit. Das Tanken dauert 10 Minuten. Tankstellen gibt es genug. Auch das Tanken im Ausland ist kein Problem.
Die Industrie, die sich mit Elektrofahrzeugen befasst, steht mithin vor großen Herausforderungen.
7. Das glaube ich Ihnen keineswegs
17.03.2009, Dr. Klaus Fabian, WaldkraiburgAuf S. 91 steht: "Beim Aufladen wandern Lithiumionen von der Kathode weg und setzen sich im Graphit (der Anode) fest." Auf S. 92 unten lese ich dagegen: "... es wandern positiv geladene Li-Ionen von der Anode ... zur Kathode. An der Anode werden dabei Elektronen frei, die als Strom zum Verbraucher fließen." Beides ist Unsinn. An der Kathode gehen natürlich Lithiumionen in Lösung und werden Elektronen frei; und beim Wiederaufladen kehren die Lithiumionen zur Kathode zurück, denn es sind ja Kathionen.
Auf derselben Seite oben liest man von Anodenmaterial Lithiumtitanat. Gemeint ist wohl Kathodenmaterial. Falls die Anode nur aus Graphit besteht und der Elektrolyt Lithiumnitrat enthält, würde mich interessieren, was beim Aufladen mit dem Nitrat passiert, das ja als Anion zur Anode wandert.
Im Übrigen: Dass die Zukunft elektrisch fährt, glaube ich Ihnen keineswegs. Hinsichtlich Energiedichte, auch Bequemlichkeit, sind flüssige Treibstoffe wie Benzin, Diesel (auch Methanol aus Kohle) immer überlegen, solange man in Kraftwerken und Heizungen weltweit massenhaft Öl (auch Kohle) verfeuert.
8. Anode? Kathode?
17.03.2009, Fritz Diem, 81476 MünchenIm Kasten auf Seite 92 ist das aber recht unklar: Zumindest fehlt eine Bezeichnung, in welcher Richtung der Strom fließt beim Laden und Entladen. Ein Zeichen für Plus- und Minuspol wäre auch angebracht gewesen.
Zudem: Nennt man die Elektrode, die beim Entladen Elektronen liefert, in der Elektrochemie wirklich Anode, wie im Text darunter behauptet wird?
9. Erst spät gekümmert?
26.03.2009, E.L.Sattler, 35394 GießenNun schreiben Sie sehr richtig, daß der Steckdosenstrom auch gewonnen werden muß. Dazu würden Kernkraftwerke (vorzüglich der Kugelhaufenreaktor, übrigens in Deutschland entwickelt, KFZ Jülich) umweltfreundlich vom Erdöl unabhängig machen.