Das Thema Evolution des Menschen hat zur Zeit Konjunktur: Das zeigen nicht nur die wissenschaftlichen Originalarbeiten, sondern auch die Zahl der Bücher, die dazu am Markt erscheinen – und die dann auch im "BIOspektrum" vorgestellt werden. Einen interessanten neuen Weg beschreiten dazu Sawyer und Deak – ein "physischer Anthropologe" und ein "Paläokünster", wie die Autoren im Einbanddeckel vorgestellt werden.

Und davon lebt dieses Buch – von den lebensnahen Rekonstruktionen unserer Vorfahren, die in ihrem (vermuteten) Lebensraum dargestellt werden. Der Faszination dieser Fotografien kann sich der Betrachter fast nicht entziehen, wenn ihn ein Homo rudolfensis eindringlich anschaut. Aber das Buch ist nicht nur ein Bilderbuch: 22 ausgestorbene Vorfahren des Menschen werden im Detail vorgestellt und jedes dieser Kapitel enthält ausführliche Informationen zu den Fundstätten der Fossilien und zu allem, was auch im Umfeld geborgen wurde wie Werkzeuge oder Überreste von Tieren und Pflanzen.

Damit wird ein Gesamtbild gezeichnet, das nicht nur Aussagen über die jeweilige morphologische Gestalt unseres Vorfahren macht (Skelett mit Schädel und Zähnen), sondern auch über seine Lebensgewohnheiten (Ernährung, Gang) und seinen Lebensraum (Klima, Tier- und Pflanzenwelt). Am Schluss der Kapitel werden dann Überlegungen zur Klassifikation dargestellt und die Geschichte der einzelnen Funde dargestellt.

Als Übergang zwischen den Kapiteln haben die Autoren "Kurzgeschichten" gewählt, sozusagen ein Tag im Leben eines Vormenschen. Zusammen mit den hervorragenden plastischen Bildern entsteht so eine "Vision" der Menschheitsgeschichte – am Ende kann man es sich richtig vorstellen und ist geneigt zu sagen: So könnte es gewesen sein.

Man merkt, dass hier "Museumskünstler" am Werk sind, die verstehen, nicht nur ihre Besucher zu faszinieren. Das erfolgreiche Konzept des American Museum of Natural History wird auf ein Buch übertragen, das den Leser in seinen Bann zieht, aber ihn auch durchaus mit Fakten auf den Boden der Tatsachen herunterholt; abgeschlossen wird das Buch mit einem sehr ausführlichen Stichwortverzeichnis.