Schlafender Hund
© Richard Zinken
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Der Hund zuckt, seine Beine beginnen zu rudern – immer schneller, immer kräftiger holt er aus, als würde er rennen, bis er schließlich aufspringt, orientierungslos gegen die Wand läuft und verdattert schaut. Dieses Schauspiel zeigt ein Video, das seit einiger Zeit im Netz kursiert. Hat der Hund geträumt, er wäre auf der Jagd nach einem Hasen? So etwas lässt das Video zumindest vermuten. Aber sind Tiere überhaupt in der Lage zu träumen? Eine Frage, die sich viele Schlafforscher schon seit Jahren stellen. Schritt für Schritt kommen sie dem Geheimnis der Träume näher.

1953 entdeckte eine Gruppe von amerikanischen Schlafforschern zum Beispiel, dass Menschen, die in einer bestimmten Phase des Schlafs geweckt wurden, sich besonders gut an ihre Träume erinnern konnten. In dieser Phase des Schlafens gibt es eine erhöhte Anzahl an Augenbewegungen, weshalb dieser Schlafabschnitt REM(Rapid Eye Movement)-Phase genannt wird.

Jahre später begann man dann auch, das Schlafverhalten von Tieren genauer zu studieren, und bemerkte, dass auch im Schlaf von bestimmten Tierarten diese REM-Phase zu beobachten ist. Wie die Forscher dabei feststellten, hat die Länge der REM-Phasen auch mit der Größe des Gehirns zu tun. Bei Säugetieren wie Katzen und Hunden nimmt sie bis zu einem Viertel des Schlafs in Anspruch. Bei Vögeln macht sie dagegen nur ein Prozent der nächtlichen Ruhezeit aus, bei Reptilien wie Krokodilen und Schlangen fehlt sie wohl ganz. Tiere können uns allerdings nicht sagen, ob sie während der REM-Phasen auch wirklich träumen. Ausnahmen sind einzelne Menschenaffen, denen die Zeichensprache beigebracht wurde und die, wie ihre Pfleger glauben, von (Alb-)Träumen berichteten.

Es werden jedoch ständig Versuche an unterschiedlichen Tierarten durchgeführt. Im Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston etwa maß man mit Hilfe spezieller Sonden die Hirnströme von Ratten, die in einem Labyrinth nach Futter suchten. Während die Versuchstiere schliefen, wurde ihre Hirnfunktion weiterhin aufgezeichnet. Die Ergebnisse der beiden Messreihen waren verblüffend: Die Ratten gingen offensichtlich während des Schlafs ihren Weg durch das Labyrinth noch einmal geistig durch. Dies ging so weit, dass man anhand der beiden Messergebnisse sogar sagen konnte, in welchem Teil des Labyrinths sich die Ratte während des Traums aufhielt und ob sie lief oder rannte.

Ein anderes Experiment führte der französische Forscher Michel Jouvet an Katzen durch. Er verhinderte, dass bei den Katzen während des REM-Schlafs die natürliche Muskelerschlaffung einsetzte. Anschließend begannen die Tiere während des Schlafes komplexe Bewegungsabläufe zu vollführen. Sie liefen durch den Käfig, buckelten und sträubten das Fell oder begannen den Kampf gegen einen unsichtbaren Rivalen. Und das alles während des Tiefschlafs, aus dem sie nicht einmal mit duftendem Futter oder Lichtblitzen geweckt werden konnten.

Wenn Tiere also im Schlaf zucken und zappeln, bellen, miauen oder zwitschern, kann es sein, dass sie gerade die Eindrücke des Tages durchleben. So singt ein Vogel vielleicht seinen allmorgendlichen Weckgesang im Kopf durch, oder unser Hund aus dem Video jagt noch einmal die Nachbarskatze aus dem Garten.