Kopfschmerzen
© George Cruikshank
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Frauen leiden etwa 1,5-mal häufiger unter Schmerzen als Männer und erleben diese auch anders. Zu diesem Ergebnis kamen bereits epidemiologische Studien aus dem Jahr 1994. Die Schmerzgrenzen nähern sich erst in einem Alter über 65 Jahren zwischen den beiden Geschlechtern an. Doch bis dahin klagen Frauen häufiger und geben auch mehrere Schmerzorte an. Warum ist das so? Dafür gibt es mehrere Gründe.

Die meisten Forschungsergebnisse unterstützen die Theorie, dass Hormone eine wichtige Rolle bei der geschlechterspezifischen Schmerzempfindung spielen. Anna Maria Aloisi von der Universität Siena beobachtete beispielsweise mit ihren Kollegen Menschen, die sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hatten. Ein Drittel der frischgebackenen Frauen klagten, nachdem sie mit Antiandrogenen und dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen behandelt wurden, über zunehmende Qualen, meist Kopfschmerzen. Östrogen fördert die weibliche Entwicklung, während Antiandrogene männliche Hormone hemmen. Bei den mit Testosteron behandelten Frauen hingegen verbesserte sich das körperliche Wohlbefinden deutlich.

Testosteron wird daher eine schmerzdämpfende Wirkungsweise nachgesagt, während Östrogen eventuell genau diesen Mechanismus blockiert. Wie die Hormone in diesem Zusammenhang wirken, ist noch nicht geklärt. Eventuell sind Neurotransmitter wie etwa Serotonin daran beteiligt, vermuten Wissenschaftler. Diese leiten Nervenimpulse im Gehirn weiter und spielen auch bei Migräne eine wichtige Rolle. Steigt die Östrogenkonzentration, so sinkt die Menge an Serotonin. Das wiederum scheint die Hemmung eines Rezeptors zu verhindern. Die Folge können Schmerzen sein.

Aber auch der Entzug von Östrogen steht im Verdacht, das körperliche Leiden zu steigern. Denn immer dann, wenn der Östrogenspiegel während der Menstruation sinkt, steigt die Schmerzwahrnehmung an. Einige Forscher vertreten deshalb die Ansicht, dass es nicht die Östrogenmengen an sich sind, sondern die ständigen Schwankungen des Hormonspiegels, die für die höhere Empfindlichkeit des weiblichen Geschlechts sorgen. Das würde auch erklären, warum während einer Schwangerschaft – bei der das hormonelle Auf und Ab eine kurze Pause einlegt – Frauen weniger Leiden zu beklagen haben.

Es gibt drei Lebensphasen, in denen der weibliche Körper seine Schmerzschwelle auf die der Männer anhebt: Zum einen passiert dies monatlich in der Lutealphase, der Zeitspanne zwischen Eisprung und Menstruation; dann während der Schwangerschaft. Zu verdanken haben die Frauen das dem Gelbkörperhormon Progesteron. Wenn sein Spiegel im neunten Schwangerschaftsmonat in die Höhe schießt, steigt auch die Schmerzgrenze und bereitet so die Frau auf die Entbindung vor. An letzter Stelle steht die Zeit nach den Wechseljahren, wenn die ständigen Hormonschwankungen wegfallen.

Frauen besitzen also ein ausgeprägteres Schmerzempfinden, haben im Gegenzug aber auch Mechanismen entwickelt, um mit stärkeren Belastungen zurechtzukommen.