Mancherorts dauert es nicht lange, bis erwartungsvolle Enten herbeitapsen, sobald man sich an einen Fluss oder Teich setzt. Da liegt es nahe, den putzigen Wasservögeln ein paar Krumen hinzuwerfen. Gerade Brot scheint bei Enten beliebt zu sein. Aber soll man Enten mit Brot füttern? Gibt es bessere Alternativen? Oder ist es sogar generell schädlich, Enten zu füttern?

Eins steht fest: Brot ist kein geeignetes Entenfutter! Bei der Frage, ob man Enten überhaupt füttern soll, gehen wie bei der Vogelfütterung im Allgemeinen die Expertenmeinungen etwas auseinander. Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) hat einen Mittelweg gefunden. Die Vogelschützer betonen zunächst, dass die Tiere in der Natur genügend Futter fänden und auf mitgebrachte Speisen nicht angewiesen seien. Markus Erlwein vom LBV hat aber Verständnis für die von vielen "lieb gewonnene Gewohnheit, die sich über die Jahrzehnte eingeschliffen hat". Letztendlich könne es wichtig sein, Menschen für einen Kontakt zur Natur zu begeistern, denn so würden sie sich langfristig auch eher für den Naturschutz einsetzen.

Gefahren der Entenfütterung

Doch Enten zu füttern, kann durchaus schaden: Wegen kalorienreichen und nicht artgerechten Futters fallen immer wieder Vögel den unheilbaren "Engelsflügeln" zum Opfer. Ihre äußersten Flügelgelenke spreizen sich seitlich ab, das Fliegen wird unmöglich. Keinesfalls darf man Enten schimmeliges Brot anbieten oder die Fütterung als kurzweilige Abfallentsorgung verstehen. Pilzgifte, so genannte Aflatoxine, bringen nicht nur Enten ums Leben, sondern auch die in den Gewässern lebenden Fische. Generell ist Brot eine schlechte Wahl: Das enthaltene Salz bringt den Stoffwechsel der Tiere durcheinander und kann schon bei kleinen Mengen tödlich sein. Außerdem quillt es im Magen der Vögel auf, so Erlwein.

Nicht nur das Was, auch das Wo kann bei der Entenfütterung entscheidend sein: Wenn Brotbrocken ins Wasser geworfen, aber verschmäht werden, verfaulen sie auf dem Gewässerboden. Der dabei verbrauchte Sauerstoff fehlt dann Fischen sowie anderen Wassertieren und fördert die Algenbildung. In extremen Fällen von Verschmutzung – wenn der Sauerstoffmangel zu groß wird – können die Gewässer auch umkippen: Alle Fische und viele andere Bewohner sterben und hinterlassen "tote" Gewässer.

Eine andere Folge der Fütterung durch Menschenhand: Die Enten verlieren ihre natürliche Scheu. Das bedeutet, dass auch der Straßenverkehr oder Hunde und Katzen den Tieren gefährlich werden können. Außerdem gewöhnen sich Enten an beliebte Futterstellen. So kann es passieren, dass eine Badewiese zur Ententoilette wird.

Gewusst wie – oder doch lieber zum Feldstecher greifen

Aber wie füttert man Enten richtig, und mit was soll man sie füttern? Ein nahrhafteres Futter als Brot sind zum Beispiel Haferflocken, die der LBV zur Fütterung empfiehlt. Die Enten mancher Art essen auch Obst, und im Handel kann man sogar spezielles Wasservogelfutter kaufen. Generell soll nur so viel gefüttert werden, wie die Tiere essen. Das heißt: kleine Portionen geben, die die Enten auch zerkleinert kriegen, und erst nachlegen, wenn sie mehr wollen. Ein anderer zentraler Hinweis des LBV lautet: immer an Land füttern.

Auf Grund der vielen negativen Auswirkungen ist das Entenfüttern übrigens vielerorts verboten. Da das selbst dann der Fall sein kann, wenn am Gewässerrand kein entsprechendes Schild befestigt ist, sollte man sich im Vorfeld unbedingt informieren. Ein solches Verbot zu übertreten, kann den Fütterer teuer zu stehen kommen: Städte und Gemeinden können bis zu 5000 Euro Bußgeld für diese Ordnungswidrigkeit verlangen.

Der Ornithologe Peter Berthold, emeritierter Professor am Max-Planck-Institut in Seewiesen bei Starnberg, steht ganz hinter dieser Restriktion. "Brot ist absolut kontraproduktiv", meint er. Statt der Fütterung von Wildenten empfiehlt Berthold die Fütterung von Singvögeln im Garten, bei der sich Vögel gut beobachten lassen. Auch in den Sommermonaten muss ein solches Naturerlebnis nicht ausbleiben. Berthold betont, dass der Energiebedarf der Vögel durch die langen Tage und die hungrigen Vogelkinder in dieser Zeit besonders hoch sei.

Der LBV hat noch weitere Vorschläge: "Schönes Naturwissen" könne man sich auch auf Spaziergängen aneignen, findet Erlwein. Obwohl man die Vögel dabei vielleicht nicht ganz aus der Nähe beobachten kann, ist es möglich, ihre Verhaltensweisen zu studieren – ganz ohne Schaden anzurichten. Dabei kann ein kleines Vogelbuch helfen, Männchen von Weibchen sowie verschiedene Arten voneinander zu unterscheiden.