<i>Dendrocopos major</i>
© Spektrum Akademischer Verlag
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernDendrocopos major
Im Februar geht es los: Unüberhörbar ertönt im Wald ein lautes, unermüdliches Trommeln. Der Große Buntspecht (Dendrocopos major) markiert laut und deutlich sein Revier und versucht, die Damenwelt der Umgebung von seinen Qualitäten zu überzeugen. Dabei sucht der Zimmermann des Waldes seine Bühne mit Bedacht: Tote Äste oder hohle Bäume bieten einen effektiven Resonanzboden für seine akustische Darbietung. Acht bis zehn Trommelwirbel in der Minute erklingen von hier aus, wobei ein einzelner Wirbel weniger als eine Sekunde dauert und aus bis zu 20 Schlägen besteht.

Auch nach stundenlanger Kopfarbeit zeigt der Specht keine Spur von Benommenheit oder gar einer Gehirnerschütterung. Ein ausgeklügeltes Zusammenspiel von Anatomie und Biomechanik beugt dem Kopfschmerz vor: Das drei Gramm schwere Gehirn füllt den Vogelschädel ohne Hirnflüssigkeit fast vollständig aus, so dass es während der Schläge nicht hin- und herschwappt. Das Stirnbein über dem Schnabel ist zudem mit Knochenbalken verstärkt, die Augenzwischenwand zusätzlich verknöchert.

Entscheidend dürfte die federnden Verbindung des Schnabels zum Schädel sein, die wie ein Stoßdämpfer wirkt: Muskeln, die gegen die Schlagrichtung gespannt sind, fangen die Stoßwellen ab und wandeln die Schlagkräfte in Zugkräfte um. Außerdem sitzt der kerzengerade Schnabel unterhalb des Gehirns, so dass die Schläge nicht unmittelbar auf das Organ auftreffen. Eine Taube, bei der Schnabel und Gehirn auf einer Achse liegen, hätte beim Trommeln erhebliche Schwierigkeiten.

Übrigens hämmern nicht alle Spechte. Der Grünspecht (Picus viridis) trommelt nur selten, sondern macht sich lieber durch sein lautes "Glük-glük-glük" bemerkbar, der seltenere Mittelspecht (Dendrocopos medius) verzichtet ganz auf das trommelnde Konzert. Unser größter Specht, der Schwarzspecht (Dryocopus martius), zeigt sich dagegen ebenfalls als fleißiger Trommler.