Auch wenn jede Webspinne Spinnfäden webt, so baut doch nur rund die Hälfte von ihnen ein echtes Netz. Und klar: Sie dürfen keinesfalls selbst darin kleben bleiben. Eine nicht ganz einfache Übung, denn sie sind gegen ihren Kleber keineswegs immun. Um sich nicht selbst ins Netz zu gehen, haben sie daher drei Strategien entwickelt.

Guck, wo du hintrittst!

Spinnfaden ist nicht gleich Spinnfaden: Nicht das gesamte Netz einer Spinne besteht aus Fäden, die mit winzigen Leimtröpfchen versehen sind. Die Spinne kann aus bis zu sieben verschiedenen Spinndrüsen auch unterschiedliche Fäden erzeugen. Geleimt werden im Netz nur Querfäden; das "Gerüst" ist klebstofffrei. Als Erbauerin weiß die Spinne sehr genau, wo es klebt und wo nicht. Allerdings berührt sie – besonders beim Bau – ab und an auch die geleimten Fäden.

Auf Zehenspitzen!

Schaut man sich den Fuß einer Spinne an – den so genannten Tarsus –, so erkennt man, dass er voller dichter Härchen ist, die als Setae bezeichnet werden. Sie sorgen für eine möglichst schmale Kontaktfläche mit dem Untergrund. Trotzdem setzt die Spinne ihre Tarsen möglichst nie ganz auf den Faden, sondern vermeidet großflächige Kontakte.

Lass es nicht an dich heran!

Die Härchen sind aber auch noch für etwas anderes gut: An ihrer Oberfläche perlt der Kleber ab. Daniel Briceño und William Eberhard von der University of Costa Rica haben eine ölige, Leim abweisende Oberflächenschicht nachgewiesen, indem sie Spinnenbeine untersucht und mit verschiedenen Substanzen gewaschen haben. Die Spinne verhält sich damit ähnlich wie ein Wasserläufer: Der nutzt ebenfalls kleine, in seinem Fall Wasser abweisende Fußhärchen, um nicht im eigenen Jagdgebiet zu versinken.