Flamingos
© Daniel Scheack
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Spätestens seitdem Flamingos sich in unseren Zoos tummeln, fragen wir uns, wieso sie ständig bloß auf einem Bein stehen. In der verzweifelten Suche nach einer Erklärung glaubten Forscher im 19. Jahrhundert, dass die rosa Vögel immer nur einen Fuß ins Wasser stecken, damit Enten ihnen nur halb so oft gegen die Beine schwimmen. So geistreich diese Idee auch klingen mag, überzeugt sie doch nicht so recht. Warum also diese unbequem anmutende Pose?

Forscher der Saint Joseph's University in Philadelphia gingen dieser Frage auf den Grund. Matthew Anderson und Sarah Williams beobachteten dazu über mehrere Monate karibische Flamingos in einem Zoo und stellten dabei fest, dass Flamingos nur im Wasser meist auf einem Bein verweilten. An Land bevorzugten sie dagegen den zweibeinigen Stand.

Die langen und federlosen Beine der Vögel kühlen im Wasser schnell aus. Deshalb – so vermuten die Wissenschaftler – ist es energetisch von Vorteil, ein Bein am Bauch im Gefieder zu wärmen, während das andere unter Wasser die Stellung hält. Auf festem Grund, wo die Beine durch die Sonne temperiert werden, ist diese Schutzmaßnahme nur bei kaltem Wind nötig.

Das Phänomen lässt sich auch bei anderen Schreitvögeln wie Störchen oder Reihern beobachten. Durch diese Form der Thermoregulation setzten die Tiere weniger Körperfläche der Kälte aus.

Damit die Gliedmaßen gleich warm bleiben, wechseln Flamingos das Standbein in regelmäßigen Abständen, wobei sie auf beiden Beinen etwa gleich lang stehen. Es gibt also – anders als beim Menschen – keine "Rechts-" und "Linkssteher". Folglich lässt sich auch das Vorurteil ausräumen, der Beinwechsel schütze vor Ermüdung. Flamingobeine werden im Stand generell nicht müde, da dafür keine Muskelkraft nötig ist. Die Knie verfügen über ein spezielles Gelenk, das beim Strecken des Beins einrastet. So können die Vögel weder umfallen noch verbrauchen ihre Muskeln Energie zur Stabilisierung. Deshalb können Flamingos auch ohne Weiteres im Stehen schlafen.