Schlaf
© Photos8.com
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernSchlaf
Schlafen ist die natürlichste Sache der Welt: Man legt sich hin, verliert das Bewusstsein und erlangt es am nächsten Morgen wieder. Tatsächlich ist der Übergang zwischen Wach- und Schlafzustand jedoch kein einfacher Schalter, sondern ein langsamer Übergang in mehreren Stufen. Gesteuert wird er von einem Teil des Hirnstamms: der Formatio reticularis. Sie kontrolliert, wie aktiv das Gehirn ist, und sendet beim Einschlafen zunehmend hemmende Signale sowohl nach oben an die höheren Hirnregionen wie auch nach unten an das Rückenmark, so dass sich die Körpermuskeln entspannen.

Gerade nach einem stressigen Tag, wenn das Gehirn noch angeregt ist, läuft dieses Herunterfahren des Nervensystems oft ungeordnet ab: Es entstehen Zwischenzustände, in denen die Person noch bei Bewusstsein und beweglich ist, aber ihre Wahrnehmung bereits getrübt und von Fantasien durchmischt. Messungen der Hirnströme sprechen dafür, dass es sich dabei aber nicht um eine übliche Traumphase handelt, sondern eher um einen gestörten Abstieg in den Tiefschlaf. In diesem Hypnagogie genannten Zustand treten auch die unwillkürlichen Zuckungen auf.

Im Jahr 1959 untersuchte Ian Oswald von der University of Oxford die Bewegungen erstmals genauer. Er bestätigte, dass das Einschlafzucken häufiger bei angespannten Personen auftrat – oft auch als Reaktion auf ein Geräusch. In Hirnstromkurven zeigten sich große Ausschläge während der Bewegung, weshalb Forscher schlossen, dass das Zucken wahrscheinlich von überreizten Nerven innerhalb der Formatio reticularis stammt. Eine Fehlzündung in diesem Kontrollbereich breitet sich dabei als Erregungswelle in andere Hirnteile aus und verursacht etwa im Bewegungszentrum das Anspannen von Muskeln. Für diese Deutung spricht auch, dass einige Menschen gleichzeitig mit dem Zucken helle Blitze oder knallende Geräusche wahrnehmen.

Häufig berichten Betroffene auch, sie hätten kurz vor dem Zucken das Gefühl gehabt zu fallen. Dies ist der Ausgangspunkt einer zweiten Theorie: Das Gehirn ermittelt die aktuelle Position des Körpers nicht nur über das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, sondern erhält zusätzlich auch ständig von den Muskeln eine Rückmeldung über deren Stellung. Beim Einschlafen erschlaffen sämtliche Muskeln – zu erkennen etwa daran, dass der Kopf einer sitzenden Person auf die Brust sinkt. Im Zustand der Hypnagogie bleibt der für das Gleichgewicht zuständige Teil des Gehirns womöglich zu lange wach, nimmt dieses Erschlaffen als Kontrollverlust wahr und versucht daraufhin, den vermeintlich aus der Balance geratenen Körper ruckartig zu korrigieren.

Auch wenn die Ursache des Phänomens weiterhin unbestätigt bleibt, sind sich Mediziner zumindest darin einig, dass gelegentliches Zucken im Halbschlaf völlig unbedenklich ist. Sehr wahrscheinlich findet deshalb auch kaum Forschung zu diesem Thema statt.