Geoid
© GFZ Potsdam
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernGeoid
Königlicher Erlass 1818
© Rijkswaterstaat/Adviesdienst Geo-Informatie en ICT (AGI)
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernKöniglicher Erlass 1818
Steinmarke
© Rijkswaterstaat/Adviesdienst Geo-Informatie en ICT (AGI)
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernSteinmarke
Amsterdamer Pegel
© Rijkswaterstaat/Adviesdienst Geo-Informatie en ICT (AGI)
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernAmsterdamer Pegel
"Der französische Alpengipfel Montblanc ist durch den extrem heißen Sommer um fast zwei Meter geschrumpft." Dieser Satz löste nicht nur Diskussionen darüber aus, wie viele Meter denn wirklich zu ersteigen wären – schließlich gibt es unterschiedliche Kartenangaben von 4807 bis 4810 Meter. Er warf bei einigen Lesern auch die Frage auf, wie der Fußpunkt der Messung festgelegt ist: jene Angabe "Normalnull", die als "NN" hinter vielen Höhenangaben steht.

Für die Antwort müssen wir nach Amsterdam blicken, zum dortigen "Normaal Amsterdams Peil". Vor drei Jahrhunderten vom Magistrat der Stadt als standardisierter Pegel der mittleren Hochwasserlinie der Zuiderzee eingeführt und 1818 als Grundlage für Höhenvermessungen in den Niederlanden festgelegt, wurde er bald als Bezugspunkt auch von vielen angrenzenden Ländern übernommen. So bezog beispielsweise die Preußische Landesaufnahme 1877/78 ihre Daten auf den Amsterdamer Pegel. Am 22. März 1879 bekam dann die Berliner Sternwarte eine Tafel mit den Hinweis 37 Meter über Normalnull, und seit 1912 wird der Pegel dort auch abgenommen.

Heute ist der Amsterdamer Pegel, ein Bronzebolzen an einem Betonpfahl im Stadthuis, dem Rathaus, zu besichtigen. Drei Säulen zeigen den aktuellen Wasserstand der Nordsee bei Ijmuiden, den aktuellen Wasserstand der Westerschelde bei Vlissingen und den höchsten Wasserstand der Hochwasserkatastrophe von 1953, der 4,55 Meter über dem Normalpegel lag.

In Österreich und der Schweiz würde sich der – nach Auskunft des französischen nationalen geografischen Instituts (IGN) übrigens genau 4808,45 Meter hohe – Montblanc etwas mehr strecken. Denn die beiden Alpenländer beziehen ihre Höhenangaben nicht auf Amsterdam. Die Österreicher richten sich nach dem Triester Pegel, der den mittleren Wasserstand der Adria wiedergibt und etwa 27 Zentimeter unter dem Amsterdamer Normalnull liegt. Und die Schweizer verwenden einen Felsblock im Genfer See als Wasserstandsanzeiger des Mittelmeers, der ihren Höhenangaben zu Grunde liegt und dem etwa acht Zentimeter bis NN fehlen.

Allerdings ist inzwischen die Angabe "Höhe über Normalnull" nicht mehr ganz korrekt. Denn 1993 wurde im Zuge der Vereinigung der beiden deutschen Staaten eine Anpassung des Landeshorizonts und eine Vereinheitlichung der Höhenmessung nötig: Die DDR hatte ihre Angaben auf den Kronstädter Pegel bei Sankt Petersburg bezogen, der etwa 14 Zentimeter über Normalnull liegt.

Zusammen mit der Aktualisierung schickten die Kartografen auch das "Normalnull" in den Ruhestand, das einen wichtigen Faktor in der Höhenmessung nicht berücksichtigt hatte: das Schwerefeld der Erde, das keineswegs eine gleichmäßig runde Kugel bildet, sondern eher einer Kartoffel ähnelt. Dieses so genannte Geoid beschreibt, wie die Oberfläche einer rein von Wasser bedeckten Erde aussähe, wenn nur Gravitation und Zentrifugalkraft wirkten.

Nun gibt es aber praktische Schwierigkeiten, dieses Schwerefeld überall eindeutig zu bestimmen. Darum arbeiten Geodäten auch hier mit Annäherungen, die zu einem Quasigeoid führen. Der entspricht zwar nicht ganz genau, aber doch ziemlich genau dem wahren Geoid – zumindest auf dem Ozean. Bezüglich des Montblancs allerdings differieren die Angaben dann durchaus um zwei Meter.

Diese angenäherte Kartoffel ist das neue Bezugssystem für das Deutsche Haupthöhennetz (DHHN92), in dem nun nicht mehr von "Meter über Normalnull", sondern von "Meter über Normalhöhennull" oder NHN gesprochen wird. Sie ist gleichzeitig die Grundlage für das United European Levelling Net (UELN), früher bekannt unter Reseau Européen Unifié de Nivellement (REUN), in dessen Rahmen die Höhensysteme der europäischen Länder vereinheitlicht werden sollen. "Nullpunkt" des Systems ist übrigens wieder der Pegel im Amsterdam.