Warum sollten wir es nicht zugeben? Als Oliver Sacks 2003 seinen "Fall Anna H." in "Gehirn&Geist" aufrollte, waren wir schon ein wenig stolz: der berühmteste Neurologe der Welt als Autor in unserem damals knapp ein Jahr alten Magazin! Die Geschichte einer Pianistin, die auf Grund einer fortschreitenden Alexie zunächst keine Noten und später auch keine Briefe mehr lesen konnte, war ein typisches Beispiel für Sacks' unverwechselbare Prosa: einfühlsam geschrieben und dabei wissenschaftlich fundiert - ein Stück Literatur, nicht nur eine Patientenstory.

Es war diese unnachahmliche Auseinandersetzung mit Schicksalen und neurowissenschaftlichen Phänomenen, die Oliver Sacks zum international geachteten Sachbuchautor und Publizisten gemacht hat. Als er im ­August 2015 verstarb, trauerten Leser weltweit um ihn. Bis zuletzt hatte er noch an einem neuen Band über die schöpferische Gabe des Gehirns geschrieben. Nachdem seine engsten Mitarbeiter das Buch aus Sacks’ Nachlass nun fertig gestellt haben, erscheint es demnächst unter dem Titel "Der Strom des Bewusstseins" auch auf Deutsch. In diesem Heft legen wir Oliver Sacks’ Gedanken über die kreative Kraft des Gehirns als ex­klusiven Vorabdruck vor - unsere Würdigung dieses großen Wissenschaftsautors, der 82 Jahre alt wurde.

Stolz sind wir auch auf einen unserer jüngsten Autoren, Theodor Schaarschmidt. Der Psychologe, der 2014 seine ersten journalistischen Erfahrungen als Redaktionspraktikant bei uns sammelte, wurde am 19. Oktober in Berlin mit dem Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus in der Kategorie Nachwuchs ­ausgezeichnet. Regelmäßige Leserinnen und Leser kennen seine hervorragend recherchierten Artikel. Erst im letzten Heft hatte er kritisch über die Auswirkungen der Antipsychiatrie-Bewegung der 1970er Jahre berichtet. Der renommierte Preis wurde ihm verliehen für seine "Gehirn&Geist"-Texte über methodische Schwächen in Hirnforschungsstudien zu Geschlechtsunterschieden (Heft 12/2015), die Folgen von rechtem Hass im Internet (Heft 5/2016) sowie über die Auswirkungen von Macht (Heft 8/2016).

Herzlich grüßt Sie

Ihr

Carsten Könneker