Mit neuen Methoden bringen Forscher alte Schriften zum Sprechen

Bis vor wenigen Jahren galt das Interesse der Historiker vor allem den Inhalten alter Texte. Ein viel versprechender, neuer Ansatz betrachtet dagegen alte Schriften als Artefakte mit vielen Facetten. Im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 933 "Materiale Textkulturen" der Deutschen Forschungsgemeinschaft haben sich gut 60 Heidelberger Wissenschaftler diesem Thema verschrieben; die Themen dieser Ausgabe illustrieren beispielhaft die vielen Möglichkeiten des Konzepts. Sie reichen von den Kulturen des Mittelmeerraums bis nach Südasien, vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis zum 16. Jahrhundert n. Chr. Schwierig wird die Forschung häufig dadurch, dass die Spuren, die von ursprünglichen Handlungszusammenhängen erzählen könnten, längst verloren sind. Mitunter zeigt sich, dass eigentlich nichtbewegliche Arrangements - zum Beispiel monumentale Steininschriften - im Lauf der Jahrhunderte tatsächlich umgestellt wurden. Dennoch gelingt es den Forschern immer wieder, Zusammenhänge zu entdecken, die sich in den unterschiedlichsten Kulturen finden lassen.
Die Beschäftigung mit Amuletten, Zaubersprüchen und heiligen Texten kann uns auch daran erinnern, dass Schrift selbst heutzutage noch etwas Magisches anhaftet. Bücher, deren Figuren lebendig werden; Texte mit tödlicher Wirkung, Zaubersprüche, Schatzkarten - Film und Literatur sind voller Geschichten über magische Schriften.
Das vorliegende Sonderheft "Die Magie der Schrift" ist in Kooperation mit dem Sonderforschungsbereich 933 "Materiale Textkulturen" der Deutschen Forschungsgemeinschaft entstanden.
(30. September 2016)

Weitere Informationen finden Sie im Editorial des Heftes.