Rendezvous am Valentinstag

Liebe Leserin, lieber Leser,


in diesen Tagen blickt die Fachwelt gespannt zum Kometen Tempel 1. Zum zweiten Mal innerhalb von sechs Jahren erhält er Besuch von einer irdischen Raumsonde: Am 14. Februar, dem Valentinstag, zieht die NASA-Sonde Stardust-NExT in nur 200 Kilometer Abstand am Kern des Kometen vorbei und richtet ihre Kameras auf den rund sechs Kilometer großen Brocken aus Eis und Staub.

Der Komet Tempel 1 gehört eher zu den unauffälligen Schweifsternen. Zwischen den Bahnen der Planeten Mars und Jupiter zieht der einsame, leicht unterkühlte Geselle ruhig dahin. Alle fünf bis sechs Jahre unternimmt er zaghafte Versuche, sich der Sonne anzunähern. Jedesmal zehrt das an seiner Substanz, denn unter dem Einfluss der wärmenden Sonnenstrahlung schmilzt ein Teil von ihm regelrecht dahin: Gefrorene Gase verwandeln sich in Dampf, der sich ausdehnt und dabei Eisbrocken und feste Staubpartikel mitreißt. Durch dieses Gestöber aus Schnee und Hagel wird Stardust-NExT mit 10,9 Kilometern pro Sekunde hindurchrasen und versuchen, die Dichte und die Zusammensetzung dieser Partikel zu messen.

Zudem halten die Kameras von Stardust-NExT Ausschau nach den Folgen eines früheren Rendezvous: Als sich Tempel 1 im Juli 2005 das letzte Mal der Sonne näherte, zog die NASA-Sonde Deep Impact dicht an seinem Kern vorbei. Zuvor hatte sie ein kühlschrankgroßes Projektil abgesetzt, das sich in die Oberfläche des Kometenkerns bohrte. Die gewaltige Fontäne aus freigesetztem Material war so dicht, dass sie die Sicht auf den entstandenen Krater versperrte. Die Fotos soll nun Stardust-NExT nachliefern. Alle Einzelheiten zur Mission lesen Sie ab S. 32.

Herzlich grüßt Sie, nicht nur zum Valentinstag, Ihr

Uwe Reichert