Dieses Heft ist das leidenschaftlichste, das ich in mehr als 13 Jahren als Chefredakteur verantwortet habe. Es steckt voller Tatkraft, packender Themen, erstklassiger Autorinnen und Autoren, großartiger Bilder. In den zurückliegenden Monaten haben wir "Gehirn&Geist" neu erfunden – ohne einen Deut von unserer Mission abzuweichen: Wir berichten interdisziplinär über die Welt im Kopf. Für eine populärwissenschaftliche Zeitschrift sind wir sehr nah dran an dem, was Psychologen, Hirnforscher, Mediziner und andere Wissenschaftler weltweit erforschen und debattieren. Dies wollen wir anschaulich und spannend erklären.

Wie uns das noch besser gelingt, daran haben wir seit rund einem Jahr weiter gefeilt. Herausgekommen sind ein völlig neues Layout, hochwertige Infografiken für noch tiefere Einsichten, neue Textarten und Rubriken. So finden Sie ab jetzt in jeder Ausgabe als weiteres Format einen Übersichtsartikel über ein großes Forschungsgebiet. In dieser Ausgabe geht es um die Medienpsychologie, ein Fach, das stetig an Bedeutung gewinnt (S. 38). Außerdem wollen wir Forschenden bei ihren laufenden Projekten über die Schulter schauen (S. 44) – nur zwei von zahlreichen Veränderungen.

Auch im aktuellen Titelthema geht es um Wollen, Trachten und Verlangen. Als Kind fiel es mir schwer, Süßigkeiten zu widerstehen. Hoch oben, für einen Klettermax gerade noch erreichbar, lagen sie im Küchenschrank. War die Tüte "auf einmal" leer, gab es was zu hören. Besser also nicht zu oft hineingreifen, auch wenn es schwerfällt! Vielleicht haben Sie ähnlich süße Kindheitserinnerungen. Fiel es Ihnen leicht zu widerstehen? Und wie steht es heute um Ihre Selbstkontrolle? Der Erfinder des berühmten Marshmallow-Experiments zum Belohnungsaufschub, Walter Mischel, erzählt im Interview ab S. 12, wie seine Forschung aus eigenen – bitteren – Kindheitserfahrungen erwuchs und er das zu Grunde liegende Konzept am Küchentisch mit seinen Töchtern feinjustierte. Versuchungen zu widerstehen, lohnt sich auf lange Sicht, weiß auch der Sozialpsychologe Roy ­Baumeister, den Mischels Arbeiten zu seiner eigenen, weltweit aner­kann­ten Forschung über Willenskraft inspirierten. In seinem Artikel ab S. 18 resümiert er: Wer sich selbst im Griff hat, kommt besser mit anderen aus, lebt glücklicher und ist erfolgreicher.

Welche persönlichen Erkenntnisse ziehen Sie aus unserem Titel­thema? Und wie gefällt Ihnen das neue "Gehirn&Geist"? Schreiben Sie mir koenneker@spektrum.de!

Viel Freude beim Entdecken des Heftes wünscht Ihr
Carsten Könneker