Verschlüsselte Botschaft

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist ein schmales Buch, in nur 550 Exemplaren gedruckt. Und doch haben nur wenige Werke unsere Kultur so stark beeinflusst wie der im März 1610 erschienene Sidereus Nuncius. In dieser Botschaft von den Sternen beschreibt und skizziert Galileo Galilei seine Beobachtungen, die er mit Hilfe der von ihm gebauten Fernrohre in den sechs Monaten zuvor gewonnen hatte: die Berge und Täler auf dem Mond, das Sternengewirr in der Milchstraße, die Entdeckung der Jupitermonde und ihre Bewegungen. Alles Dinge, die – wie es in der Langform des Buchtitels heißt – "nie zuvor ein Mensch gekannt hatte".

Die verschlüsselten Botschaften des Himmels zu entziffern, war eine grandiose und revolutionäre Leistung Galileis. Nur wenig wussten wir bisher aber von den Gedanken, die den italienischen Astronomen in jenen bedeutungsvollen Monaten umtrieben, oder wie er an die Veröffentlichung seines Werkes heranging. Nach dem Auffinden und der Analyse des allerersten Exemplars des Sidereus Nuncius lassen sich nun auch diese Fragen zumindest teilweise beantworten. Galilei selbst fertigte die Tuschzeichnungen in diesem Band an; und ein Vergleich mit mehr als 80 anderen erhaltenen Exemplaren der Abhandlung zeugt von der Hast, mit welcher der Autor, die Setzer und die Drucker zu Werke gingen. Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp stellt ab S. 42 die Untersuchungen des einzigartigen Buchs vor und berichtet über die verschlüsselte Botschaft, die sich in der Titelseite des Sidereus Nuncius fand.

Dabei wird unter anderem deutlich, dass es auf einzelne Buchstaben ankommt. Ein einfaches »O« gibt dabei Aufschluss nicht nur über die Vorgehensweise der Drucker dieses Werks, sondern auch über eine metaphorische Verknüpfung, die Galilei bewusst einsetzte, um seine Leistung in den Rang von etwas wunderbar Vollendetem zu setzen.

Herzlichst grüßt Ihr

Uwe Reichert