Sterne und Weltraum Juli 2007

In seinem Bericht über die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe der Europäischen Südsternwarte ESO und der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA (S. 44 – 52) schildert Peter Schneider, wie die Grundfragen der Kosmologie lauten, die den Astronomen heute auf den Nägeln brennen. Die Arbeitsgruppe hat sie so konkret und zeitgemäß wie möglich formuliert, das heißt: Es sind diejenigen Fragen, die sich aus dem aktuellen Stand der Forschung ergeben, und deren Beantwortung innerhalb der Reichweite der Beobachtungsinstrumente der nächsten Generation liegt.

Die großen Instrumente der nächsten Generation, mit denen der Rand unserer Welt genauer erforscht werden soll, sind bereits in der Planung (etwa das Extremely Large Telescope oder das Square Kilometre Array, die um 2020 zum Einsatz kommen könnten) oder im Bau (etwa das James Webb Space Telescope, Start 2014, das Radioobservatorium ALMA, Erstes Licht 2010, oder die Missionen PLANCK und HERSCHEL, Start 2008). Und neulich hat das Large Binocular Telescope (LBT), das zur Zeit größte Einzelteleskop der Welt, seinen wissenschaftlichen Beobachtungsbetrieb aufgenommen (Titelbild und S. 16 – 18): Deutsche Astronomen sind mit 25 Prozent an diesem Projekt beteiligt. Von allen diesen Instrumenten erwarten sich die Kosmologen maßgebliche Antworten auf ihre heute gestellten Fragen.

Heute denken wir uns den Kosmos durch das »Standardmodell« angemessen beschrieben – vor diesem Hintergrund wurden die obigen Grundfragen formuliert. Der Grenzen dieses Modells, die hauptsächlich in der noch nicht überbrückten Unvereinbarkeit von Relativitätstheorie und Quantenphysik liegen, sind sich die Forscher durchaus bewusst. Und es gibt bereits Ansätze, ein neues Weltbild zu entwerfen, in dem nicht alles mit dem Urknall beginnt. Auf die »letzten Fragen«, die im Jahr 2030 zu stellen sein werden, dürfen wir bereits heute gespannt sein!

Es ist also kein Wunder, dass uns die nachwachsende Generation besonders am Herzen liegt. An die Forscher von morgen und an ihr gesellschaftliches Umfeld denken wir, wenn wir an unserer Zeitschrift werkeln und insbesondere, wenn wir unser Projekt »Wissenschaft in die Schulen!« ausbauen. Beim Wettbewerb Jugend forscht engagieren wir uns im Fachbereich Geo- und Raumwissenschaften, in dem neben den Geologen, Geographen und Meteorologen auch die astronomischen Jungforscher untergebracht sind. Bei der Endrunde 2006 in Freiburg erhielt hier Thomas Gigl mit seinem selbstgebauten Spektrographen zur Beobachtung von Doppelsternen den Preis des Bundespräsidenten, verbunden mit der Teilnahme am European Union Contest for Young Scientists in Stockholm. Nun berichtet er (S. 86 – 87), wie er auch in Stockholm erfolgreich war – wir gratulieren! Im nächsten Heft werden wir über eine astronomisch ähnlich erfolgreiche Endrunde 2007 von Jugend forscht zu berichten haben.

Palermo ist eine vielschichtige Stadt. Volker Witt schildert auf S. 80 – 85, wie dort um 1790 auf dem Dach des normannischen Königspalastes eine hochmoderne Sternwarte errichtet wurde, und wie es dort im folgenden Jahrhundert zu einer mehrfachen Blüte der Astronomie und Astrophysik kam.

Inhalte dieser Ausgabe

Editorial

Inhalt

Leserbriefe

Brennpunkt

Blick in die Forschung

Wissenschaftliche Beobachtungen am LBT gestartet

 
16
In der technischen Entwicklung hin zu immer größeren Teleskopen stellt das Large Binocular Telescope (LBT) einen bedeutenden Schritt dar. Am Bau dieses einzigartigen »Riesenfeldstechers« sind mehrere...

Entwicklung von M-Sternen

 
21
Die bisher größte Studie über enge Doppelsterne ermöglicht den Test von theoretischen Entwicklungsmodellen für massearme Sterne der Spektralklasse M. Wie und mit welcher Rate dieser häufigste...

NEW HORIZONS: Stippvisite im Jupitersystem

  (kostenfrei)
22
Das Schwungholen der Pluto-Sonde NEW HORIZONS am Riesenplaneten Jupiter im Februar 2007 nutzten die Wissenschaftler zu ausgiebigen Beobachtungen im Reich des Gasriesen.

COROT: Erfolgreiches Debüt

 
24
Kaum im All, meldet der Planetenjäger COROT seine ersten Erfolge: Der Transit eines Exoplaneten mit 1.3 Jupitermassen wurde registriert, und auch auf dem zweiten Forschungsgebiet des Satelliten, der...

Themen der Wissenschaft

Die Merkursonde Bepi-Colombo

 
26
Im Jahre 2013 soll eine SOJUS-Trägerrakete eine besondere Fracht ins All bringen: BEPICOLOMBO, eine europäische Raumsonde zur Erkundung des Merkur. Sie wird nach sechs Jahren Flugzeit im März 2019...

Das 100-jährige Rätsel der RR-Lyrae-Sterne

 
38
Manche pulsierende Veränderliche verhalten sich recht merkwürdig: Ihre Pulsationsperiode ist periodischen Veränderungen unterworfen. Dieses Phänomen, seit hundert Jahren als Blashko-Effekt bekannt,...

Die Grundfragen der Kosmologie

  (kostenfrei)
44
Wie entstand die Asymmetrie zwischen Materie und Antimaterie? Woraus besteht Dunkle Materie, und was ist Dunkle Energie? Begann unser Universum mit einer Inflation? Solche grundlegenden Fragen der...

Aktuelles am Himmel

Beobachtungen

Gestirne am Tageshimmel beobachten - Überraschende Ansichten

 
68
Es ist immer wieder ein faszinierendes Erlebnis, einen Stern oder einen Planeten am Tageshimmel zu beobachten. Ich möchte interessierte Sternfreunde dazu ermutigen, solche Beobachtungen selbst einmal...

Geschichte

Manfred Wachter – Präzisionsmechanik und Optik

 
70
Mitt innovativen Produkten behauptete sich ein kleines schwäbisches Unternehmen jahrzehntelang neben den »Global Players« am Fernrohrmarkt.

Giuseppe Piazzi und die Entdeckung der Ceres

 
80
Mit Fleiß und Akribie verhalf Giuseppe Piazzi der von ihm gegründeten Sternwarte zu hohem Ansehen. Den Höhepunkt bildete die Entdeckung eines knapp tausend Kilometer großen Himmelskörpers, des...

Nachrichten

Jugend forscht – auf Europäisch

 
86
Was alles auf einen Bundeswettbewerb noch folgen kann

Das Jahr der Teleskopriesen

 
91
Ein Rundgang durch die Astronomiemesse ATT

Astroszene

Neu erschienen

Wer war's?

Zwischen Wahrnehmung und Denken

 
99
Mit der Erde durch Dick und Dünn

Zum Nachdenken

Spektrallinienverlauf (Simulation)

RR-Lyrae-Sterne

  (kostenfrei)
100
RR-Lyrae-Sterne sind eine Unterklasse der bekannteren Cepheiden, benannt nach ihrem Prototypen delta Cephei. Kennt man den Lichtwechsel und die Dopplerverschiebung der Sternoberfläche, dann kann man den veränderlichen Sternradius bestimmen.

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