Sterne und Weltraum Juni 2011

Kosmischer Kreißsaal im Labor

Liebe Leserin, lieber Leser,

selten sind Astronomen in der Lage, die Gegenstände ihrer Forschung experimentell im Labor zu untersuchen. Etwa dann, wenn ein Gesteinsbrocken aus dem All als Meteorit vom Himmel gefallen ist. Ersatzweise können sie Roboter-Assistenten durchs Sonnensystem oder zu anderen Planeten schicken. In der Regel jedoch sind sie auf das Licht und andere Strahlungsarten angewiesen, die von den Himmelsobjekten ausgesandt werden.

Aus dieser Not haben die Astronomen freilich eine Tugend gemacht. Die Kunst der Beobachtung ist inzwischen zu einer Perfektion entwickelt, die noch vor wenigen Jahren als utopisch galt. Mit Weltraumteleskopen spähen sie mittlerweile sogar direkt in die Kinderstuben von Sternen und Planeten hinein – in kleine Verdichtungen innerhalb von großen Molekülwolken, in denen sich Gas und Staubkörnchen zu neuen Himmelskörpern zusammenballen.

Doch selbst die leistungsfähigsten Teleskope vermögen die Vorgänge in den kosmischen Kreißsälen nur grob zu erhellen. Zwischen Staubkorn (kleiner als ein Mikrometer) und Planet (Durchmesser etwa 10 000 Kilometer) liegen mehr als 13 Größenordnungen. Um zu verstehen, wie aus winzigen Partikeln makroskopische Himmelskörper werden, greifen die Wissenschaftler auf Modellrechnungen und Laborexperimente zurück. Damit lässt sich untersuchen, wie sich Staubkörner in den Umgebungsbedingungen der Molekülwolken verhalten, wann sie aneinander haften bleiben – oder sich bei Stößen zerstören – und wie schließlich über immer größere Agglomerate Planeten entstehen. Die mikroskopische Welt der Staub-Astronomie im Labor erschließen Ihnen Carsten Güttler und Jürgen Blum ab S. 26.

Herzlichst grüßt Ihr

Uwe Reichert

Inhalte dieser Ausgabe

Editorial

Inhalt

Leserbriefe

Leser fragen, Experten antworten

Blick in die Forschung: Im Bild

Blick in die Forschung: Nachrichten

Blick in die Forschung: Kurzberichte

Merkurkrater Debussy

Merkur – ein fast vergessener Planet im Fokus

  (kostenfrei)
18
Mitte März dieses Jahres erhielt Merkur seinen ersten künstlichen Satelliten. Nach einer langen Reise traf die US-Raumsonde Messenger beim sonnennächsten Planeten ein und erforscht diesen nun ein Jahr...
letzte Sensorkugel wird versenkt

Lichtblitze im antarktischen Eis

 
21
Der größte Teilchendetektor der Welt ist eingeweiht: Ende April dieses Jahres feierten die Astroteilchenphysiker offiziell die Fertigstellung von IceCube – eines kubikkilometergroßen, tief im ewigen...

Zum Nachdenken

Eule

Tscherenkow-Licht

  (kostenfrei)
23
In Materie hängt Lichtgeschwindigkeit von Materialeigenschaften ab, charakterisiert durch den Brechungsindex n. Die Detektorkugeln von IceCube sind von Eis in Tiefen zwischen 1450 und 2450 Meter Tiefe...

Blick in die Forschung: Kurzberichte

Kugelsternhaufen NGC 2419

Neue Sternzählung im Kugelsternhaufen NGC 2419

 
24
Der am äußersten Rand des Milchstraßensystems liegende Kugelsternhaufen NGC 2419 könnte extragalaktischen Ursprungs sein. Um seine Entstehungsgeschichte besser zu verstehen, zählte und untersuchte...

Welt der Wissenschaft

Staubbildung

Planetenbildung im Labor

 
26
Um die Anfänge der Planetenbildung zu verstehen, beobachten Forscher in Laborexperimenten das Zusammenwachsen mikrometergroßer, untereinander kollidierender Staubkörner zu größeren Agglomeraten. Die...
Die Phillips-Beziehung hängt vom M etallgehalt ab

Korrekturen an der Dunklen Energie?

 
36
Bislang bestimmen die Astronomen die wahre Leuchtkraft einer beobachteten Supernova anhand gewisser Charakteristika ihrer Lichtkurve. Neue Erkenntnisse, die auch die Metallizität des Vorgängersterns...
Meridiansäule Hammerfest

Die Vermessung der Erde

 
42
Wilhelm Struves Weg zu einem der bedeutendsten Astronomen des 19. Jahrhunderts begann mit einem Sprung aus dem Fenster. Seine Erdvermessung wurde 150 Jahre später von der UNESCO als Weltkulturerbe...

Aktuelles am Himmel

Astronomie und Praxis: Beobachtungen

Sonnenfinsternis am 4. Januar 2011

Dynamisches Duo im kosmischen Takt

 
70
Im Sommer 2011 führen uns Sonne und Mond eine seltene Abfolge dreier Finsternisse vor: eine partielle Sonnenfinsternis über der Arktis am 1. Juni, eine von Europa aus sichtbare totale Mondfinsternis...

Astronomie und Praxis: Okulare

Okulare mit Brennweiten zwischen 50 und 56 Millimetern

Plädoyer für die Generation 50-plus

  (kostenfrei)
80
Spiegelteleskope mit langer Brennweite liegen im Trend. Doch wer damit nicht nur Mond, Planeten und Doppelsterne, sondern auch ausgedehnte Objekte wie Galaxien und Sternhaufen beobachten möchte, sehnt...

Astronomie und Praxis: Wunder des Weltalls

Vollmond im Perigäum

Dynamisches am Himmel

 
88
Die Aktivität der Sonne nimmt im Zuge ihres Zyklus wieder stetig zu. Dabei erreichen auch häufiger Wolken geladener Teilchen die Erde und regen dort mitunter Prozesse an, die sich des Nachts als...

Astronomie und Praxis: Astroszene

Würzburger Frühjahrstagung lebt weiter

 
94
Vorträge zur Astronomie aus vier Jahrhunderten

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