Was machen Sie am 6. Juni 2012?

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt Chancen, die bieten sich nur ein- oder zweimal im Leben. Höchstens. Wir gehören zu einer Generation, die das Glück hat, gleich zweimal Zeuge eines der seltensten astronomischen Ereignisse zu sein. Am 8. Juni 2004 bot sich erstmals seit dem 19. Jahrhundert die Gelegenheit, einen Venusdurchgang zu beobachten. Wenn sich das Ereignis nun fast auf den Tag genau acht Jahre danach wiederholt, wird es Ihre und unsere letzte Möglichkeit sein – denn erst im Dezember 2117 wird erneut die Venus als schwarze Scheibe vor der Sonne vorüberziehen.

Viele Sternfreunde haben sich deshalb schon seit Langem den 6. Juni 2012 vorgemerkt und vielleicht eine Reise zu einem günstigen Beobachtungsort geplant. Dabei ist allerdings zu beachten, dass in mancher Weltgegend noch der 5. Juni ist, wenn sich der Venustransit ereignet. Alles, was Sie über das Phänomen des Venusdurchgangs und seine Beobachtung wissen sollten, haben wir in diesem Heft zusammengestellt, damit Sie sich rechtzeitig vorbereiten können (S. 34 und 44).

Das Besondere an diesem "dunklen Punkt" auf der Sonne ist freilich nicht nur die Seltenheit dieses Ereignisses. Geradezu überwältigend fand ich beim Venustransit 2004 die Erfahrung, mit eigenen Augen ein Phänomen gesehen zu haben, das die Existenz einer Atmosphäre auf unserem Nachbarplaneten belegt. Man kann sich noch so viel Wissen über Bücher und Zeitschriften aneignen – das eigene Erfahren und Erkennen ist durch nichts zu ersetzen.

Am Himmel über uns spielen sich faszinierende Dinge ab – wir müssen nur hinsehen und verstehen lernen. Ob es nun eine einfache Begegnung von Mond und Venus am Abendhimmel ist (S. 64), der Einfluss des Mondes auf die Gezeiten (S. 92) oder ein besonders dramatischer Kometenschweif (S. 22): Die Natur macht uns ein Angebot, hinzuschauen, zu genießen und zu begreifen. Nutzen Sie es!

Herzlichst grüßt Ihr

Uwe Reichert