Science(fiction)-Thriller

Liebe Leserin, lieber Leser,

zwei spannende Landungen auf fremden Himmelskörpern konnte ich Anfang August kurz hintereinander verfolgen. Die eine war rein virtuell und flimmerte auf der Kinoleinwand: In dem Sciencefiction-Thriller "Prometheus" stößt ein Raumschiff in ein fernes Sternsystem vor, wo die Besatzung die Ursprünge der Menschheit enträtseln will. Der Film wird angesichts der technischen Perfektion der Bilder ein großes Publikum finden – auch wenn inhaltlich antike Mythen, die Präastronautik- Thesen eines Erich von Däniken und Motive der Intelligent- Design-Bewegung zu einem pseudowissenschaftlichen Mix verrührt werden.

Die zweite Landung war sehr real. Auf meinem Computermonitor verfolgte ich, wie der Rover Curiosity in einem haarsträubenden Manöver auf dem Mars aufsetzte – auch hier technische Perfektion und Spannung pur. Über eine Flugstrecke von 570 Millionen Kilometern brachten die Regie führenden NASA-Ingenieure die Robotersonde mit einer Abweichung von nur zwei Kilometern ins Ziel. Diesen Thriller schrieb die Wissenschaft, und die Handlung war logisch und absolut nachvollziehbar. Das rollende Chemielabor wird auf unserem Nachbarplaneten zwar keine Monsterwesen finden, aber mithelfen, seine Entwicklungsgeschichte zu entschlüsseln – und damit eine weitere Teilantwort auf die Frage liefern, wie sich unsere Erde und wie wir selbst uns in das Universum einfügen.

Die Kosten der Curiosity-Mission belaufen sich auf rund 2,5 Milliarden US-Dollar. Das ist nicht billig, aber preiswert. Denn umgerechnet auf die Einwohnerzahl der USA entspricht das 8 US-Dollar pro Kopf. Ich gebe als Steuerzahler gerne den Gegenwert einer Kino-Eintrittskarte aus, wenn dafür Unternehmungen gefördert werden, die zur Bildung der Gesellschaft, zur Förderung der wissenschaftlichen Kompetenz und zur Ausbildung des akademischen Nachwuchses beitragen. Die Politiker und die Förderorganisationen sollten mehr in solche Science-Thriller investieren. Es rechnet sich!

Herzlichst grüßt Ihr

Uwe Reichert