Grenzen überschreiten!

Liebe Leserin, lieber Leser,

in diesen Tagen ist es so weit: Der größte Teilchenbeschleuniger der Welt, der Large Hadron Collider, kurz LHC, in der Nähe von Genf nimmt seinen Messbetrieb auf (S. 48). Mit der Großforschungsanlage suchen Wissenschaftler nach exotischen Partikeln, die es nur winzige Sekundenbruchteile nach dem Urknall gab: freie Quarks und Gluonen, Higgs-Bosonen und (vielleicht) supersymmetrische Teilchen. Mit Spannung werden die Ergebnisse aus dem Grenzgebiet zwischen Teilchenphysik, Astronomie und Kosmologie erwartet. Das ungewohnte Vokabular und die unvorstellbare Energiedichte in den erzeugten Prozessen erschreckt aber auch einen Teil der Öffentlichkeit – manche so sehr, dass sie den Untergang der Welt durch im Labor erzeugte Schwarze Löcher befürchten. Doch die einzigen Grenzen, die diese Experimente überschreiten, sind diejenigen zwischen den Wissenschaftsdisziplinen.

Die Ängste, die mit dem Betreten von wissenschaftlichem Neuland verbunden sind, stellen eine Herausforderung für alle dar, die Wissen vermitteln wollen. Denn die wahre Kluft, die überwunden werden muss, liegt zwischen denjenigen, die sich einen Wust an Spezialwissen angeeignet haben (den Forschern) und denjenigen, die mit Wissenschaft – wenn überhaupt – nur während eines Teils ihrer Schulzeit konfrontiert wurden (der breiten Öffentlichkeit).

Ansätze dafür, wie diese Wissensgrenzen überwunden werden können, finden Sie im vorliegenden Heft (etwa auf S. 60). Und unter www.kosmologs.de bieten wir eine Plattform, auf der zum Beispiel die angebliche Gefährdung durch die LHC-Experimente heftig diskutiert wurde (im Blog »Einsteins Kosmos« von Andreas Müller). Auch andere lebhafte Debatten aus allen Bereichen der Astronomie finden Sie dort.

Diskutieren Sie doch einfach mit, meint Ihr

Uwe Reichert