Liebe Leserin, lieber Leser,

wir leben in Zeiten, in denen eine astronomische Entdeckung die andere jagt. Insbesondere bei der Suche nach Exoplaneten, also Planeten, die fremde Sterne umkreisen, machen Astronomen gewaltige Fortschritte. Kaum wurde bei unserem allernächsten Nachbarstern, Proxima Centauri, ein Trabant nachgewiesen (siehe SuW 10/2016), da ist wieder ein bedeutender Fund zu vermelden: Nur 40 Lichtjahre von uns entfernt gibt es einen weiteren Stern, der sogar von mindestens sieben Planeten umrundet wird (siehe unsere Titelgeschichte ab S. 22).

Das Aufregende an dieser jüngsten Entdeckung: Die Planeten dieses Sterns sind alle etwa so groß wie unsere Erde. Und drei von ihnen befinden sich in einem Abstand von ihrem Zentralgestirn, der innerhalb der habitablen Zone liegt. Mit diesem Begriff bezeichnen Astronomen denjenigen Bereich in der Umgebung eines Sterns, in dem Wasser in flüssiger Form vorkommen könnte. Näher am Stern würde Wasser verdampfen, weiter weg würde es zu Eis gefrieren.

Diese Eigenheiten des neu entdeckten Planetensystems beflügeln natürlich die Fantasie. Könnte es dort Leben geben? Derlei Spekula­tionen sind erlaubt. Doch "erdgroß" heißt nicht "erdähnlich", und "habitabel" bedeutet nicht unbedingt "lebensfreundlich" oder gar "bewohnbar" - auch wenn diese Begriffe im Überschwang oft gleichgesetzt werden. Viele weitere günstige Bedingungen wie eine geeignete Atmosphäre der Planeten müssten hinzukommen, damit in einer habitablen Zone tatsächlich Leben entstehen kann. Auch ist zu bedenken, dass der Zentralstern, TRAPPIST-1 genannt, ein roter Zwergstern ist, viel kleiner als unsere Sonne und nur wenig größer als Jupiter.

Mir drängt sich deshalb ein ganz anderer Gedanke auf: Als Anfang des 17. Jahrhunderts Galileo Galilei und Simon Marius ihre Fernrohre auf Jupiter richteten, sahen sie ein Planetensystem en miniature: Vier Monde umkreisten Jupiter wie die Planeten unsere Sonne. Ähnlich wie diese Entdeckung vor vier Jahrhunderten dem heliozentrischen Weltbild zum Durchbruch verhalf, so könnte das Mini-Planetensystem TRAPPIST-1 heute eine weitere Wende markieren: Je mehr andere Planetensysteme wir entdecken, desto besser werden wir verstehen, wie sich unser eigenes Sonnensystem, unsere Erde und wir selbst uns in das große Ganze des Kosmos einordnen.

Herzlichst grüßt Ihr

Uwe Reichert