Vom Gesetz der großen Zahlen bis zu Klimarekorden

Wenn die Mathematiker darauf bestehen, genau abzugrenzen, was man aus welchem Wissen schließen kann und was nicht, dann wirkt das manchmal übertrieben. Aber nur zu leicht führt uns die Alltagserfahrung in die Irre. Wenn ein aktiver Revolverheld namens Wyatt Earp als 80-Jähriger an Altersschwäche stirbt, wirkt das unglaublich genug. Allerdings ist dies alles andere als unwahrscheinlich. Was ist überhaupt Wahrscheinlichkeit? Ist sie die Eigenschaft eines realen Systems, auf eine wiederholt gestellte Frage verschiedene Antworten mit bestimmten relativen Häufigkeiten zu geben? Oder ist sie Ausdruck unserer Unwissenheit über das System, womit sie sich durch unsere Erfahrung ändert? Darüber wird bis in die Gegenwart gestritten; dem Autor der zweiten Interpretation, Thomas Bayes, verdanken wir eine Formel, die diese Änderung zu berechnen gestattet. Um eine definitive Antwort haben sich die Mathematiker erfolgreich gedrückt. Heute arbeiten sie mit dem Axiomensystem von Andrei Kolmogorow, das zwar bestimmt, wie man mit Wahrscheinlichkeiten rechnet, aber jede Aussage über ihr "Wesen" konsequent vermeidet. Diese abstrakte Theorie liefert belastbare Aussagen darüber, ob es bei einer sportlichen Höchstleistung mit rechten Dingen zugeht oder ob man einen Hitzerekord dem Klimawandel zuschreiben kann.
Das Spezial "Vorsicht Statistik!" enthält Artikel aus "Spektrum der Wissenschaft" zu den Themen Wahrscheinlichkeit und Statistik von der Theorie bis zu praktischen Anwendungen und Interpretationen.
(25. August 2017)

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