Mit Ausgabe 9/2016 werden wir "Spektrum der Wissenschaft" ein neues Layout verpassen und dabei vielleicht auch kleinere neue redaktionelle Akzente setzen. Um die Vorlieben unserer Leserinnen und Leser genauer zu erfassen, haben wir vorab einen Teil der Abonnenten zur diesjährigen Aprilausgabe detailliert befragt. Wir wollten dabei unter anderem erfahren, welche Artikel ihnen besonders gut gefallen haben und für welche Themengebiete sie sich ganz allgemein interessieren.

Die für uns erfreuliche zentrale Nachricht war, dass unsere Leser überwiegend sehr zufrieden mit "Spektrum" sind! Gleichzeitig lieferten die insgesamt über 400 ausgefüllten Antwortbögen aber auch einige Anregungen zu Verbesserungen und Veränderungen. Jetzt sind wir daran zu überlegen, inwieweit sich diese ab der Septemberausgabe im Heft niederschlagen werden. Lassen Sie sich überraschen!

Auch wir waren überrascht, und zwar von einem speziellen Ergebnis der Befragung: Demnach sind gerade einmal knapp zehn Prozent unserer Abonnenten Frauen – noch weniger, als wir gedacht hatten. Das hat sofort lebhafte Diskussionen in der Redaktion ausgelöst: Was sind die Ursachen dafür, und können wir daran vielleicht etwas ändern? Die Frage ist hochkomplex und birgt reichlich Sprengstoff – denn sollte man wirklich davon ausgehen müssen, dass sich Frauen im Durchschnitt nicht für eine anspruchsvolle Darstellung naturwissenschaftlicher Forschung interessieren? Wohl kaum! Schon der Anteil der Studentinnen entsprechender Fächer spricht hier eine deutlich andere Sprache.

Woran liegt es also, dass wir vergleichsweise wenige Leserinnen finden? Hat es mit dem Themenmix zu tun oder eher mit der Gestaltung unserer Titelseite? Hier könnte man einen möglichen Grund in einer gewissen Dominanz "harter" physikalischer Themen verorten – die aber andererseits bei Umfragen wie auch der eingangs genannten regelmäßig den Spitzenplatz der Interessensgebiete einnehmen. Könnten wir Frauen pauschal durch ein verändertes Erscheinungsbild stärker ansprechen, oder bedient eine solche Diskussion doch nur wieder alte, längst überwunden geglaubte Stereotype? Es kristallisiert sich ein kaum aufzu­lösender Widerspruch zweier Betrachtungsweisen heraus: Kann man einerseits überhaupt von typisch weiblichen und männlichen Präferenzen sprechen? Aber wie lässt sich andererseits unser eindeutiges Befragungsresultat erklären?

Ich persönlich sehe jedenfalls keinen Grund, warum ein Heft wie das vorliegende fast nur Männer interessieren sollte. Mit der wichtigen Funktion unserer Träume (S. 20), den Gründen für den Siegeszug des Homo sapiens (S. 48), den faszinierenden Bestattungsriten im alten Rom (S. 56) und der bedrohlichen Bevölkerungsentwicklung in Afrika (S. 66) bietet es ein breites Themenspektrum, in dem sicher jeder – und jede – etwas für sich finden kann.

Viel Vergnügen beim Entdecken wünscht Ihr

Hartwig Hanser