Das komplexe Zusammenspiel von Wind und Wolken.

Es ist kein Zufall, dass die Anfänge der Meteorologie mit dem Beginn der industriellen Revolution und der Erfindung der Dampfmaschine zusammenfallen. Denn im Grunde ist die Atmosphäre nichts anderes als ein riesiger Dampfkessel, der die von der Sonne ungleich auf der Erde verteilte Wärme in mechanische Arbeit umsetzt - und dabei Stürme entfacht oder riesige Wassermengen über gewaltige Entfernungen transportiert. Meteorologen verstehen die Mechanismen dieser Wärmekraftmaschine inzwischen so gut und können ihr Wirken am Computer so genau simulieren, dass sie es schaffen, Sonnenschein, Regen und Wind für mehrere Tage präzise vorherzusagen. Dort allerdings, wo sich auf engstem Raum enorme Kräfte bündeln und letztlich das Chaos regiert, müssen sie immer noch passen. So können sie nicht exakt im Voraus angeben, wann und wo in einer Gewitterfront ein Tornado seinen rotierenden Rüssel zum Boden reckt und dort Tod und Verwüstung bringt. Mit moderner Radartechnik aber gelingt es immerhin, solche verheerenden Wirbel frühzeitig zu erkennen und ihre Zugbahn zu ermitteln. Einfluss auf das Wetter nehmen will seit einiger Zeit auch der Mensch. Schon immer war es ein Wunschtraum, künstlich Regen zu erzeugen. Inwieweit das heute möglich ist und welche Probleme es aufwirft, erfährt der Leser ebenfalls.
Indem dieses Spezialheft den Gesetzmäßigkeiten nachspürt, die sich hinter dem teil gewaltsamen Geschehen am Himmel verbergen, erklärt es viele alltägliche Beobachtungen. Warum bilden sich bei bestimmten Wetterlagen nur harmlose Schäfchenwolken, während sich bei anderen düstere Wolkenberge auftürmen? Wieso fällt in den Alpen gelegentlich rosafarbener Schnee? Oder wie entstehen hartnäckige Nebelbänke und wodurch lösen sie sich wieder auf?
Die im Heft Wind und Unwetter vorliegende Sammlung von meteorologischen Artikeln zeigt, wie die Wissenschaft die Armosphäre entzaubert und dazu beigetragen hat, dass wir den Naturgewalten nicht mehr ganz so hilflos ausgeliefert sind.
(28. November 2014)

Weitere Informationen finden Sie im Editorial des Heftes.

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