"Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten." Diesen Satz habe ich schon als Kind in der Schule gelernt. Die Anfangsbuchstaben geben die Anfangsbuchstaben der Planeten unseres Sonnensystems an: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. 2006 war jedoch Schluss damit: Bei der Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union in Prag wurde damals eine neue Definition des Wortes "Planet" beschlossen, und deren Kriterien erfüllt Pluto nicht. Er war von da an kein Planet mehr, sondern ein "Zwergplanet", ein Begriff, der eigentlich nichts anderes bedeutet als "großer Asteroid".

Diese Entscheidung war unter den Astronominnen und Astronomen nicht unumstritten. Besonders heftig diskutiert wird sie aber von der Öffentlichkeit. Wenn ich in Vorträgen oder Artikeln zum Beispiel über die Erforschung des Pluto berichte, erhalte ich so gut wie immer Kommentare von Leuten, die sich darüber beschweren, dass der Himmelskörper nicht mehr als "Planet" bezeichnet wird. Ganz besonders verärgert über die "Degradierung" ist man in den USA – immerhin war Pluto der einzige Planet, der von einem Amerikaner entdeckt wurde (Clyde Tombaugh) –, und amerikanische Astronomen sind es auch, die immer wieder neue Vorschläge zur Planetendefinition machen, nach denen Pluto wieder seinen alten Status erlangen würde.

Aktuell wird ein Vorschlag von Kirby Runyon von der Johns Hopkins University diskutiert: Jeder Himmelskörper, in dessen Innerem keine Kernfusion stattfindet und der annähernd kugelförmig ist, soll als "Planet" bezeichnet werden. Dann wäre allerdings nicht mehr nur Pluto wieder ein Planet. Man müsste dann auch noch gut 100 weitere Himmelskörper in unserem Sonnensystem so bezeichnen. Ob ein Himmelskörper sphärisch ist oder nicht, hängt im Wesentlichen von seiner Größe und seinem Material ab. Diese Formel beschreibt die physikalischen Prozesse, die für die Form verantwortlich sind:

Planetenformel
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(Ausschnitt)
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Neben der Gravitationskonstante G und der Zahl π sind es die Dichte ρ des Materials und die Druckfestigkeit σy, die die Form bestimmen. Aus ihnen berechnet sich der "Kartoffelradius" R: Ein kleinerer Himmelskörper ist nicht mehr sphärisch, sondern hat eine unregelmäßige Form, so wie eine Kartoffel. Nur wenn er groß genug ist, kann seine Masse mit ihrer Eigengravitation die Druckfestigkeit des Materials überwinden und sich zu einem kugelförmigen Objekt formen.

Ob ein Himmelskörper sphärisch oder nicht ist, sagt also tatsächlich einiges über seinen inneren Aufbau ist und kann durchaus als wichtige Kenngröße für planetologische Untersuchungen verwendet werden. Dies als bestimmendes Kriterium für seine Bezeichnung als "Planet" zu verwenden, halte ich trotzdem für falsch. Dabei ignoriert man unter anderem einen wichtigen Teil seiner Entstehung. Als Planeten wie die Erde oder Jupiter entstanden, wuchsen sie schnell genug, um mit ihrer Gravitationskraft all das in ihrer Umgebung vorhandene Material entweder selbst einzusammeln oder aber in ferne Region zu schleudern – von dynamischen Spezialfällen wie den Trojanerasteroiden einmal abgesehen. Aber weit entfernt von der Sonne bewegten sich die Objekte viel langsamer. Es gab weniger Kollisionen, die Himmelskörper wuchsen langsamer und konnten ihre Umgebung nicht im gleichen Ausmaß beeinflussen. Deswegen wurde Pluto eben kein Planet, sondern ein großer Asteroid, der sich immer noch inmitten jeder Menge anderer Asteroiden befindet.

Es gibt viele Möglichkeiten zu definieren, was ein "Planet" ist. So richtig zufriedenstellend wird keine davon sein. Die Natur hat eben für die Himmelskörper keine starren Grenzen vorgesehen. Die Übergänge sind fließend. Solange man aber noch mit solchen Definitionen arbeitet, ist es sinnvoller, Pluto und all die anderen kleinen Asteroiden nicht in die gleiche Kategorie wie Gasriesen vom Format eines Jupiters zu stecken.

Pluto ist ein faszinierendes Objekt, ganz gleich wie man es klassifiziert! Und in der Schule lernt man ab jetzt eben einfach: "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel."