Wundheilung, 1) Botanik: Bez. für den selbstständigen Verschluss von Verletzungen und den Ersatz verlorengegangener Strukturen (Restitution). So reembryonalisieren bei krautigen Pflanzen zunächst Parenchymzellen in Wundnähe und bilden durch erhöhte Teilungsaktivität eine Zellwucherung (Wundkallus). Bei verholzten Pflanzen geht der Wundkallus meist aus dem Kambium hervor. Später setzt im Kallus durch den Einfluss eines wechselnden Konzentrationsverhältnisses an Phytohormonen eine Differenzierung einiger Kalluszellen ein, die zu dem passenden Regenerat führen: so werden Spross- oder Wurzelvegetationspunkte gebildet, Leitelemente ersetzen unterbrochene Verbindungen innerhalb des Xylems oder Phloems. Verlorene Blattspreiten werden nur in sehr seltenen Fällen ersetzt. Nach außen bildet der Kallus ein wundverschließendes, stets dünnwandiges korkähnliches Gewebe, den Wundkork, der den Wasserverlust und das Eindringen von Krankheitskeimen verhindert. Bei Verletzungen der sekundär verdickten Sprossachse bildet sich ein Wundholz aus, das durch so genannte Überwallung die Verletzungen ausgleicht und reich an isodiametrischen, aber arm an faserförmigen Zellen ist.

2) Zoologie: Bei Tieren und Mensch können drei Stadien der W. unterschieden werden: In der Substratphase kommt es zur Exsudation (Entzündungsreaktion, Blutgerinnung) und zum Abbau von zerstörtem Gewebe, in der Kollagenphase wird die Reparatur mittels Bindegewebszellen eingeleitet (Bindegewebe) und in der Differenzierungsphase (soweit möglich) die ursprüngliche Gewebssituation wiederhergestellt; hierbei sind die Neubildung von Kapillaren, die Vermehrung von Bindegewebs- und Epithelzellen und die Bildung kollagener Fasern beteiligt. Bei der primären W. wird der Wundverschluss innerhalb von vier bis sechs Tagen mit völliger Regeneration erreicht. Die sekundäre W. (nach Wundinfektion oder bei nekrotischen Wundrändern) verläuft wesentlich langsamer und führt zur Bildung eines nicht mehr ursprünglich funktionstüchtigen Narbengewebes.

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