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Lexikon der Biologie

Abwehr

Abwehr, Verhaltensweisen und Einrichtungen physiologischer oder morphologischer Art, mit denen Mensch und Tiere, aber auch Pflanzen (pflanzliche Abwehr), bei drohender Gefahr Schaden zu verhindern suchen. Das Abwehrverhalten kann unbewußt, reflektorisch (z. B. Lidschlußreaktion des Auges; Abwehrreflex, Reflex), ausgelöst oder beim Menschen auch durch gezielte, vorausplanende Überlegungen gelenkt werden. Abwehr kann sowohl agonistische Tendenzen (agonistisches Verhalten) als auch konfliktvermeidende (Konfliktverhalten) Eigenschaften zeigen: Kommt es zu aggressiven Auseinandersetzungen (Aggression) mit Artfremden, so spielt die Selbstverteidigung eine bedeutende Rolle. Wehrhafte Tiere setzen zur aktiven Verteidigung spezielle Waffen ein (z. B. Zähne, Gehörn). Artgenossen, die um Nahrung, Fortpflanzungsgelegenheit oder Behausung konkurrieren (Konkurrenz), zeigen Verhaltensweisen, die mit dem Begriffskomplex der innerartlichen Aggression beschrieben werden. Innerartliche Aggression dient somit meist der Eigentumsverteidigung. Hierbei werden oft Verhaltensweisen gezeigt, die zur Vergrößerung der Distanz zwischen den Konfliktpartnern führen (diffuges Signal). Dazu gehören Meide- und Fluchtverhalten (Vermeidungsverhalten, Flucht), Beschwichtigungs- (Beschwichtigung) und Demutsgebärden, aber auch Warnverhalten (Warnsignal, Wehrreaktion) und Drohverhalten. Beispiele für passive Verteidigung (Schutzanpassungen) sind unter anderem: Einsatz von Stacheln und Panzern, Wehrsekrete, Warnfärbung (vielfach bei Ungenießbarkeit), Mimikry (als Täuschung des Freßfeindes trotz Genießbarkeit), Tarnung, Flucht und Schreckfärbung (z. B. beim Abendpfauenauge; Augenfleck). – Innerhalb des Organismus auftretende schädigende Einflüsse, wie sie von niedermolekularen körperfremden Stoffen (freie Radikale, Gifte) ausgehen, werden durch unspezifische Veränderungen – Biotransformationen (Oxidation, Reduktion, Hydrolyse, Konjugation, Glucuronid- und Glykosidbildung) – in der Leber oder entsprechenden Zentralorganen des Stoffwechsels abgewehrt (Entgiftung). Endoparasiten und schädliche Makromoleküle können durch Bildung von Antikörpern (humorale und zelluläre Abwehr; Immunglobuline, Immunsystem, Lymphocyten) oder durch Mobilisierung von Leukocyten, Phagocytose durch Makrophagen, Entzündungsreaktionen (Entzündung), Virostase (Virostatika) durch z. B. Interferon oder Lyse von Bakterien (unspezifische Abwehr) bekämpft werden (Abwehrstoffe). Blutstillung ist ein Abwehrmechanismus bei mechanischer Zerstörung eines Blutgefäßes (Blutgerinnung).

L.M./R.S.

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