Affinitätsreifung, die Erhöhung der mittleren Affinität der Antikörper einer Sekundärantwort (sekundäre Immunantwort) im Vergleich zur Primärantwort (primäre Immunantwort, Immunerkennung). Voraussetzung für die Affinitätsreifung sind die Wechselwirkung und Aktivierung antigenspezifischer B-Lymphocyten mit Helfer-T-Zellen (Helfer-Zellen) und follikulären dendritischen Zellen in den Keimzentren der sekundären lymphatischen Organe. Die sich stark vermehrenden, aktivierten B-Lymphocyten – jetzt auch als Centroblasten bezeichnet – weisen in den variablen Domänen (variable Region) ihrer Immunglobulin-Gene eine sehr stark erhöhte Mutationsrate auf (somatische Hypermutation; Hypermutationen, somatische Mutationen), so daß nach einer Teilung viele Zellen veränderte Antigenbindungseigenschaften besitzen. Diese Abkömmlinge – nun Centrocyten genannt – werden auf die höchste Affinität zu dem von den follikulären dendritischen Zellen präsentierten Antigen hin selektiert. Centrocyten mit geringer Affinität sterben (Apoptose), solche mit sehr hoher Affinität exprimieren das bcl-xL-Gen, was den Tod durch Apoptose verhindert. Wechselwirkungen mit Helfer-T-Zellen über verschiedene Rezeptoren bzw. Corezeptoren (z. B. CD40, CD40-Ligand; CD-Marker) veranlassen die Centrocyten schließlich, sich zu B-Gedächtniszellen (immunologisches Gedächtnis) oder Plasmazellen zu differenzieren. Die von den Helfer-T-Zellen gebildeten Cytokine legen dabei den Isotyp der gebildeten Immunglobuline fest (Klassensprung). Im Falle einer Sekundärantwort ist dies ein Wechsel von IgM zu IgG (Gammaglobuline).

R.We.