Eichhörnchen, Sciurus, mit weltweit ca. 190 baumlebenden Arten ( ö vgl. Tab. ) und Unterarten die formenreichste Gattung der zu den Nagetieren gehörenden Hörnchen (Familie Sciuridae). In Mitteleuropa lebt als einzige einheimische Art dieser Gattung das über die Waldgebiete Eurasiens verbreitete Eichhorn, Eichhörnchen oder Eichkätzchen Sciurus vulgaris ( ö vgl. Abb. ; Kopfrumpflänge 20–25 cm; buschiger Schwanz 15–25 cm lang; Körpergewicht 250–480 g; südliche Unterarten größer als nördliche) weit verbreitet in Nadel- und Laubwäldern bis 2200 m Höhe. Die Fellfärbung der Eichhörnchen in Mitteleuropa ist oberseits fuchsrot bis schwarzbraun, unterseits weiß; nach Osten und Nordosten nimmt die Graufärbung zu. Pelze von graufarbigen sibirischen Unterarten kommen als "Feh" in den Handel. Bei der in Deutschland lebenden Unterart Sciurus var. fuscoater überwiegt in Norddeutschland die rote, im Gebirge die schwarze Färbung. Wo beide Farbkleider nebeneinander vorkommen, nimmt die Anzahl der dunklen Tiere mit der Höhe zu. Das Leben der Eichhörnchen spielt sich hauptsächlich in den Baumkronen ab. Beim Klettern wird der Schwanz als Balancierstange, beim Springen als Steuerruder und Schwebefortsatz benutzt; bei der Balz wirkt er als optisches Signal. Eichhörnchen ernähren sich von Knospen, Blüten, Früchten und Samen, bevorzugt von Nadelbäumen, unter denen man oft die Deckschuppen und die kahlen Spindeln der Zapfen findet. Mit Hilfe der scharfen Nagezähne werden geschickt Haselnüsse und Walnüsse geöffnet. Durch Verzehr von Vogeleiern und Jungvögeln betätigen sich Eichhörnchen auch als Nesträuber. Bekannt ist ihr Anlegen von Nahrungsvorräten in Baumlöchern und am Boden. Dies geschieht nach einem erblich starr festgelegten Handlungsablauf: Lochscharren mit den Vorderpfoten, Ablegen der Nuß, Zuscharren mit Erde und Laub, Festdrücken. Da ein Teil der versteckten Sämereien liegenbleibt, tragen Eichhörnchen auch zur Ausbreitung von Bäumen und Sträuchern bei (Zoochorie). Eichhörnchen sind tagaktiv. Die Nacht und Zeiten ungünstiger Witterung verbringen sie im sog. Kobel, einem kugelförmigen Gebilde aus Reisig und Moos in 5–15 m Höhe eines Baums, oft durch Umbau eines ehemaligen Krähennestes erstellt; sie halten jedoch keinen Winterschlaf. Für die Geburt und Aufzucht der Jungen wird ein aufwendiger ausgestattetes Nest gebaut, seltener auch eine Baumhöhle benutzt. Im Norden des Verbreitungsgebiets finden 1–2, im Süden sogar 2–3 Würfe pro Jahr statt. Je Wurf kommen etwa 5 Junge nackt und blind ("Nesthocker") zur Welt. Sie verlassen erst nach 45 Tagen das Nest und werden insgesamt etwa 8 Wochen lang gesäugt. Die Geschlechtsreife tritt nach 8–10 Monaten ein; aber nur 20–25% der Jungtiere werden älter als 1 Jahr, bei einem Höchstalter von 10–12 Jahren. Ihre natürlichen Hauptfeinde sind Baummarder und Habicht. – Das eurasische Eichhörnchen ist eines unserer bekanntesten (und beliebtesten) wildlebenden Säugetiere. Bei den Germanen und im alten Indien fand es Eingang in Sagen, Märchen und Volksweisheiten. Inzwischen gibt es durch menschliches "Dazutun" in Europa (Großbritannien, Irland) noch eine weitere Eichhörnchen-Art, das ursprünglich im Osten der USA beheimatete Östliche Grauhörnchen (Sciurus carolinensis). Asien I .

H.Kör.

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Eichhörnchen



Eichhörnchen

(Sciurus vulgaris)