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Lexikon der Biologie

Heilpflanzen

Heilpflanzen, Arzneipflanzen, Arzneimittelpflanzen, Drogenpflanzen, Pflanzen, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe in der Heilkunde (Phytotherapie; Heilpflanzenkunde) verwendet werden. Neben hochwirksamen und bei unsachgemäßer Anwendung oder Überdosierung sehr gefährlichen Giftpflanzen (z.B. Fingerhut, Tollkirsche, Stechapfel) gibt es viele Heilpflanzen, die bis heute in der Volksmedizin einen wichtigen Platz einnehmen. Die Verabreichung von Heilpflanzenpräparaten ist allerdings nicht in jedem Fall unbedenklich, da sie die Wirkung anderer Arzneimittel vermindern oder verstärken können (Arzneimittelwechselwirkungen). Heilpflanzen werden meist in getrockneter und zerkleinerter Form (als sog. Droge) verwendet, wobei entweder die ganze Pflanze oder nur bestimmte Teile verarbeitet werden: Blätter (Folia), Blüten (Flores), Frucht (Fructus), Rinde (Cortex), Samen (Semen), Wurzel (Radix), Wurzelstock (Rhizoma). Wirkstoffe der Heilpflanzen sind in erster Linie Alkaloide, Glykoside, etherische Öle und die heterogene Gruppe der Gerbstoffe und Bitterstoffe (Pflanzenstoffe). Der je nach Entwicklungszustand, Herkunft und Sammeljahr wechselnde Gehalt an Wirkstoffen hat dazu geführt, daß heute die meisten stark wirksamen Inhaltsstoffe chemisch isoliert oder daß die Drogen durch Mischung auf einen bestimmten Wirkstoffgehalt eingestellt werden. Auch heute noch sind Heilpflanzen (wegen der hohen Komplexität der Wirkstoffe) der Ausgangspunkt zur Herstellung von ca. 55% aller Arzneimittel. Der noch bei weitem nicht vollständig erfaßte Bestand an Pflanzen mit pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoffen in den tropischen Wäldern ist einer der wahren Schätze der Menschheit (Biodiversität, Ethnobotanik, Naturstoffe). Neben gesicherten Erfahrungen spielten dabei psychologische Effekte und magisch-religiöse Vorstellungen eine bedeutende Rolle. So vertrat z.B. Paracelsus die Meinung, daß die Natur jegliches Gewächs mit dem kennzeichne, „dazu es gut ist“ (Signaturenlehre). So sollten die dreilappigen Blätter des Leberblümchens auf seine Verwendbarkeit gegen Leberleiden hinweisen. Neben vielen Pflanzen, die in der Homöopathie verwendet werden oder in der pharmazeutischen Industrie als Lieferanten bestimmter Wirk- und Ausgangsstoffe dienen, gelten derzeit nach dem Deutschen Arzneibuch (DAB) bzw. den Europäischen Arzneibüchern etwa 80 Arten als offizinelle Heilpflanzen ( vgl. Tab. ). Es handelt sich dabei fast ausschließlich um Pflanzen aus feldmäßigem, kontrolliertem Anbau. Dafür sind neben Kosten- und Qualitätsgründen nicht zuletzt auch Aspekte des Artenschutzes und Naturschutzes ausschlaggebend, da durch Sammeln inzwischen zahlreiche Heilpflanzen in Osteuropa, den gemäßigten Breiten Asiens sowie in Südostasien in ihrem Bestand gefährdet sind, z.B. Ginseng (Efeugewächse) und Madagaskar-Immergrün (Catharanthus). Ackerunkräuter, botanische Zeichen, Galen (C.), Hildegard von Bingen, metabolic engineering, Pflanzengifte, Unkräuter; Kulturpflanzen X–XI.

A.B./A.Se.

Lit.: Cox, A., Balick, M.J.: Drogen und Kräuter. Heidelberg 1997. Gessner, O.: Die Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. Berlin 21956. Hiller, K., Melzig, M.F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. 2 Bde. Heidelberg 1999. Holm, G., Herbst, V.: Botanik und Drogenkunde. Stuttgart 1998. Lewis, W.H., Elvin-Lewis, M.P.F.: Medical botany – plants affecting man's health. New York 1977. Wichtl, M. (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka. Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage. Stuttgart 31997.

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