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Lexikon der Biologie

HIV-Infektion

HIV-Infektion w, Infektion nach einem Kontakt mit dem Humanen Immunodefizienz-Virus (HIV, AIDS). Die Übertragung des Virus erfolgt durch sexuellen Kontakt (homo- oder heterosexuell), durch Blut, kontaminierte Blut- und Plasmaspenden, Bluttransfusionen oder Blutprodukte (z.B. Bluter-Medikamente), von der infizierten Mutter auf das Kind (während der Geburt oder durch die Muttermilch) sowie bei Drogenabhängigen durch kontaminierte Spritzen. Das Virus gelangt dadurch in Schleimhäute, in die Haut oder Blutbahn. HIV infiziert hauptsächlich Zellen, die den CD4-Marker (CD-Marker) sowie geeignete Corezeptoren auf der Oberfläche tragen (HIV). Die HIV-Infektion zeigt in der Regel einen mehrphasigen Verlauf ( vgl. Abb. ). Die Primärinfektion bleibt entweder symptomlos, oder es kommt zu einer akuten Infektion mit Mononucleose- oder Grippe-artigen Symptomen (Mononucleose, Grippe). In dieser Zeit findet eine starke Virusvermehrung und -ausbreitung im Körper statt (Virämie), wodurch der Spiegel an CD4+-Zellen im Blut zunächst stark abfällt. Nachdem die humorale und zelluläre Immunantwort aktiviert worden ist, steigt die Anzahl an CD4+-Zellen wieder an, während die Viruslast (viral load) im Blut sinkt. Über einen Zeitraum, der 1 bis mehr als 10 Jahre dauern kann, stehen Virus- und Zellproduktion mit der Zerstörung von Viren und infizierten Zellen durch das Immunsystem in einem ungefähren Gleichgewicht. Da diese Phase ohne Krankheitssymptome verläuft, wird sie als klinische Latenz bezeichnet. Die Anzahl an CD4+-T-Zellen sinkt jedoch allmählich ab. Bei Werten unter 500 Zellen/μl kommt es zum Auftreten von ersten Krankheitssymptomen, dem Lymphadenopathie-Syndrom (Vergrößerung und Zerstörung von Lymphknoten; Lymphadenopathien) und dem AIDS-related Komplex. Mit weiter absinkenden Werten an CD4+-Zellen (auf unter 200 Zellen/μl) und ansteigender Viruslast im Blut tritt die HIV-Infektion in das volle Krankheitsbild AIDS mit fortschreitender Zerstörung des Immunsystems ein. Der Verlauf einer HIV-Infektion wird von virus- und wirtsspezifischen Faktoren, die im Einzelnen noch ungeklärt sind, beeinflußt. Unter den HIV-Infizierten gibt es eine Gruppe von ca. 5%, bei denen ohne HIV-Therapie auch 10 Jahre nach der Erstinfektion eine geringe Viruslast und annähernd normale Werte an CD4+-Zellen vorliegen. Entsprechend zeigen diese Personen kein Fortschreiten der Krankheit, weswegen sie als Langzeitüberlebende (nonprogessors) bezeichnet werden. HIV ändert während der Zeit, in der es einen Patienten befallen hat, seine Präferenz für verschiedene Zelltypen – eine Fähigkeit, die als HIV-Tropismus bezeichnet wird. Die beiden Zelltypen, die von unterschiedlichen Subtypen befallen werden, sind die T-Zellen und die Makrophagen. Man spricht von Makrophagen-tropischen und T-Zell-tropischen Viren. AIDS (Abb., Tab.), HIV-Test, HIV-Therapie, Virusinfektion.

E.S.



HIV-Infektion

Typischer Verlauf einer HIV-Infektion

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