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Lexikon der Biologie

Inselbiogeographie

Inselbiogeographie w; Inselfloren und -faunen sind gekennzeichnet durch scharfe Separation von anderen Landfloren und -faunen, starke Beschränkung der Arealgrößen (Areal) und relative Artenarmut bei meist hohem Anteil an Endemiten. Einzelne Arten erfuhren nicht selten eine adaptive Radiation (Farbtafel), wie z.B. die Darwinfinken auf den Galapagosinseln (Farbtafel II) oder die zur Familie Dickblattgewächse gehörende Gattung Aeonium auf den Kanarischen Inseln. Man unterscheidet ozeanische Inseln, die zu keiner Zeit ihrer Existenz mit dem Festland in Verbindung standen, von kontinentalen Inseln, die eine solche Landbrücke besaßen (Brückentheorie) und deren Flora und Fauna daher eine viel größere Ähnlichkeit mit der des benachbarten Festlands aufweist. Die Überschaubarkeit von Inseln erlaubt genauere Einblicke in dynamische biogeographische Vorgänge wie Besiedlungsgeschichte, Ausbreitung, Wirkung von Konkurrenzfaktoren (Konkurrenz), Anpassungsprobleme, Verdrängungs- und Aussterberaten. So werden z.B. größere Inseln meist mehr Habitate unterschiedlicher Habitattypen enthalten. Die Anzahl der Arten auf einer solchen „Habitatinsel“ (im übertragenen Sinne, s.u.) nimmt deshalb mit deren Größe zu. Zudem erhöht sich die Extinktionswahrscheinlichkeit (Extinktion) von Inselarten, wenn die „Habitatinsel“ klein ist. Die Verkleinerung der „Habitatinsel“ führt zu einer reduzierten Verfügbarkeit von Habitaten des gleichen Typs und damit auch zu einer Verringerung der Immigrantenanzahl (Immigration). Einen Ansatz zur quantitativen Erfassung der Zusammenhänge bietet die „Equilibrium-Theorie“ von MacArthur und Wilson (Inselbesiedlung). Sie läßt sich grundsätzlich auch auf Habitatinseln (i.e.S.) anwenden – kleine, separierte Gebiete des Festlands wie Hochgebirgsgipfel, Höhlen oder andere Gebiete, die in ein ökologisch völlig anders beschaffenes Umland eingebettet sind. Die fortschreitende Zerstückelung von Lebensräumen in zahlreiche kleine und damit instabile Habitatinseln durch z.B. straßenbauliche Maßnahmen wird treffend charakterisiert durch das Schlagwort von einer „Verinselung“ der Landschaft. Inselmodelle, Krakatau, Surtsey.

Lit.: MacArthur, R.H., Wilson, E.O.: The Theory of Island Biogeography. Princeton, N.J. 1967.

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