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Lexikon der Biologie

Kieselalgen

Kieselalgen, Bacillariophyceae, Diatomophyceae, Diatomeen, Diatomeae, Klasse der Algen (nach der neueren Systematik der Heterokontophyta bzw. nach zoologischer phylogenetischer Systematik den Heterokonta zugeordnet) mit den beiden Ordnungen Pennales und Centrales. Die Kieselalgen sind eine in sich geschlossene, artenreiche Gruppe einzelliger, kokkaler, diploider Algen ( vgl. Abb. 1 , vgl. Abb. 2 ) mit Tendenz zur Koloniebildung. Die Zellwand besteht aus 2 Teilen ( Algen II ), die wie Deckel (Epitheka) und Bodenteil (Hypotheka) einer Schachtel angeordnet sind (daher die ursprüngliche Bezeichnung „Schachtellinge"); sie wird auch Frustel genannt. Boden- und Deckelflächen (Valvae) sind artspezifisch gestaltet, während die seitlichen Gürtelbänder (Pleurae) strukturlos sind; die Wandsubstanz besteht überwiegend aus amorpher, polymerisierter Kieselsäure. Die Plastiden sind durch hohen Fucoxanthingehalt gelbbraun gefärbt; die wichtigsten Reservesubstanzen sind Chrysolaminarin (Chrysose) und Lipide (Algen, Tab.). Kieselalgen kommen im Plankton der Meere und Binnengewässer vor (Algen, Tab.) sowie auf feuchten oder zeitweise austrocknenden Böden, zum Teil leben sie epibiontisch. Die vegetative Fortpflanzung erfolgt durch Zweiteilung. Dabei bekommt jede Tochterzelle eine Zellwandhälfte der Mutterzelle mit, die zu ersetzende wird stets zur Hypotheka. Dies führt zu einer allmählichen Größenabnahme eines Teils der Zellen; bei Erreichen einer Minimalgröße (ca. Hälfte der Maximalgröße) werden durch Bildung von Auxosporen oder Auxozygoten artgemäße maximal große Individuen hergestellt. Bei Auxosporenbildung werfen die Individuen ihre Zellwand ab und dehnen sich bis zur artgemäßen Größe aus; sie sind dabei von einer dehnbaren Wandschicht (Perizonium) umgeben. Auxozygotenbildung erfolgt in Verbindung mit der sexuellen Fortpflanzung ( Algen IV ). – Die Kieselalgen sind Hauptbestandteil des Phyto-Planktons der Meere und spielen eine wesentliche Rolle als Primärproduzenten in der Nahrungskette. Im Süßwasser gedeihen viele Arten nur bei bestimmter Wasserqualität und können als Bioindikatoren dienen. In den Meeren des Tertiärs und Quartärs waren Kieselalgen offenbar in großen Mengen vertreten. Ablagerungen der verkieselten Zellwände (zum Teil über 50 m hohe Schichten) ergeben die Diatomeenerde. Diatomeenschlamm, Ehrenberg (C.G.), Kieselsäuren, Landalgen, Trembley (A.); Einzeller II .

Lit.: Werner, D. (ed.): The biology of diatoms. London 1977.



Kieselalgen

Abb. 1: Diatomeen-Präparat



Kieselalgen

Abb. 2: a
Diatoma vulgare, b Fragilaria spec.

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