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Lexikon der Biologie

Kontinentaldrifttheorie

Kontinentaldrifttheorie w, Kontinentalverschiebungstheorie, von dem deutschen Meteorologen und Geophysiker A.L. Wegener zunächst unter dem Titel: „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane" im Jahre 1915 veröffentlichte und später ausgebaute Hypothese über die horizontale Lageveränderung der Meer- und Landmassen auf der Erde. Entgegen der bis dahin dominierenden „fixistischen Lehrmeinung", die Erdkruste sei mit ihrem Untergrund fest verhaftet, ging Wegener von einem horizontalen Driften des leichteren Festlandsbereichs („Sal", später als Sial bezeichnet) auf einem schwereren Untergrund (Sima) aus. Wegener wurde durch die kartographische Kongruenz der atlantischen Küstenlinien zu seiner Idee inspiriert. Nach Wegeners Auffassung sollen im Paläozoikum eine geschlossene Landmasse (Pangaea) und ein Urozean (Panthalassa) existiert haben ( vgl. Abb. ). Dieser Urkontinent sei seit dem Mesozoikum auseinandergerissen worden. Die Schollen bzw. Kontinente hätten sich seither immer weiter voneinander entfernt. Zwischen ihnen seien Ozeane entstanden. Diese Kontinentalverschiebungstheorie untermauerte Wegener durch eine Fülle von Argumenten, u.a.: 1) Die Kontinente lassen sich mit ihren Rändern und Schelfzonen wie ein Puzzle zusammensetzen (z.B. Ostküste Südamerikas und Westküste Afrikas). 2) Infolge der Westbewegung Nordamerikas und Südamerikas kam es durch den Schubeffekt zur Auffaltung der Kordilleren („Bugwellengebirge"). 3) Im Karbon und Perm (vor etwa 300 Millionen Jahren) herrschte auf der südlichen Hemisphäre eine Eiszeit. Zusammensetzung und Struktur von Moränen dieser Vereisung und der Diamanten, die diese Ablagerungen enthalten, stimmen in Südafrika und Brasilien überein. Heute sind diese fossilen Gletscherablagerungen durch den Atlantik 5000 km voneinander getrennt. Wegener stützte seine Theorie auf die Untersuchung verschiedener Tier- und Pflanzengruppen, die große Ähnlichkeiten, gar Übereinstimmungen aufwiesen. Die fossilen Reste des kleinen, permischen Süßwasserreptils Mesosaurus (Mesosauria) finden sich lediglich in Südafrika und im östlichen Teil Brasiliens. Die Verbreitung der Glossopterisflora (Glossopteridales, Gondwanaflora) auf den südlichen Kontinenten war ein weiteres Indiz zur Untermauerung der Wegenerschen Theorie. – Unter den Biologen fand die Kontinentaldrifttheorie unbeirrte Befürworter, obwohl sie von Seiten der Geophysik zunächst abgelehnt wurde. Wegener sah in der Polfluchtkraft, in der Gezeitenreibung und in der Polverlagerung u.a. die Ursachen der Kontinentbewegung. Diese Vorstellungen erwiesen sich aber in der weiteren Forschung als unhaltbar. Neue physikalische Ergebnisse, etwa ab 1960, vor allem die Konzepte des sea-floor-spreading und der Plattentektonik, brachten für die Kontinentaldrift einleuchtende Begründungen. Seither gilt das fixistische Modell als widerlegt, das mobilistische als anerkannt. Geowissenschaftler sehen heute in der Kontinentaldrifttheorie eine „Wegenersche Revolution", wie es sie in der Geschichte der Erdwissenschaften vergleichbar nur noch in der Abstammungslehre von C.R. Darwin gegeben habe. Biogeographie, Eria, Humboldt (F.H.A. von), Laurasia, Laurentia, Lemuria.

C.K./W.R.



Kontinentaldrifttheorie

Veränderung von Lage und Form der Kontinente auf der Erde im Laufe der Erdgeschichte: 1 Ende des Paläozoikums (vor ca. 250 Millionen Jahren), 2 Ende der Trias (vor ca. 220 Millionen Jahren), 3 Ende des Jura (vor ca. 150 Millionen Jahren), 4 Ende der Kreide (vor ca. 65 Millionen Jahren)

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