Kooperation w [von spätlatein. cooperatio = Mitwirkung; Verb kooperieren, Adj. kooperativ], ein Begriff, der in der Verhaltensökologie und Soziobiologie, unter Fokussierung des Anpassungswerts, mutualistische Verhaltensweisen zwischen Mitgliedern einer Art (z.B. Schwarm- [Schwarm] und Herdenbildungen [Herde], soziale Insekten; zum Teil auch zwischen den Zellen eines Vielzellers) beschreibt. Kooperation bietet den Beteiligten Vorteile; sie setzt keine altruistische Komponente voraus (Mutualismus). Bei vielen Autoren werden auch altruistisches Verhalten (Altruismus) und gelegentlich auch Symbiosen als Spezialfälle von Kooperation betrachtet (Endosymbiontenhypothese). Bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Phänomenen der Kooperation wenig Beachtung geschenkt, da sie unter gruppenselektionistischen Gesichtspunkten (Selektion) ohne Schwierigkeiten als Anpassungen zum Wohl der Population bzw. der Art gewertet wurden (Arterhaltung). Die nahezu vollständige Ablösung der Vorstellung der Gruppenselektion durch die Individualselektion bewirkte, daß kooperatives Verhalten erneut analysiert werden mußte. Daraus ergaben sich 2 bedeutende Erweiterungen der Evolutionstheorie: 1) die Verwandtschaftstheorie (engl. kinship theory) und 2) die Reziprozitätstheorie (Wechselseitigkeitstheorie, engl. reciprocation theory, auch reziproker Altruismus genannt). Fast alle Fälle von eindeutigem Altruismus (genetischer Altruismus) und die meisten beobachteten Kooperationen gehen mit einem hohen Verwandtschaftsgrad der beteiligten Individuen einher, z.B. die bei Vögeln häufig auftretende gemeinschaftliche Jungenaufzucht (nepotistischer Altruismus beim Eichelspecht, Graubrusthäher oder Graufischer). Kooperation kann jedoch auch dann auftreten, wenn der Verwandtschaftsgrad niedrig ist oder keine Verwandtschaft besteht. Mit Hilfe der Reziprozitätstheorie können das Entstehen und der Erhalt kooperativer Beziehungen trotz der egoistischen Interessen der einzelnen erklärt werden (attraktives Verhalten). Das spieltheoretische Modell des Gefangenendilemmas zeigt, daß es zwischen 2 Individuen zu Kooperationen kommen kann, auch wenn ein „Betrügen" oder „Ausbeuten" des Partners kurzfristig den größeren Erfolg bringen würde. Eine Taktik, die auf Reziprozität basiert und Kooperation zur Folge haben kann, ist die sog. tit-for-tat-Taktik (tit for tat). Aus evolutionsbiologischer Sicht sind bei kooperativem Verhalten von verschiedenen Tierarten mitunter unterschiedlich komplexe (z.B. zellphysiologische, „instinktive", kognitive und „intellektuelle") Leistungen beteiligt. Allianz, Arbeitsteilung, Einsicht, Höherentwicklung, Humanität, Intellekt, Selbstexploration.

G.M./G.U./M.A.