Lerndisposition w, genetisch vorgegebenes Lernvermögen innerhalb bestimmter Grenzen, die Informationsaufnahme (Information) und ihre Verwertung betreffend, mit zum Teil Unterschieden vor allem zwischen Arten und Unterarten, aber auch Individuen. Lernbegabungen unterscheiden sich sowohl bezüglich ihrer funktionellen Potenzen (Lernkapazität) als auch im Hinblick auf Auswahl und Zeitpunkt bevorzugten, besonders effektiven Lernens (sensible Phase). Bei vielen Wirbellosen existieren spezifische Lerndispositionen, während die allgemeinen Verknüpfungsmöglichkeiten minimal sind: Bienen (Honigbienen) lernen optische und olfaktorische Merkmale einer Futterquelle sehr gut, und sie lernen auch den Weg dorthin aufgrund von Geländemarken und einer Richtungsmessung anhand des Sonnenstands (Bienensprache, Kompaßorientierung). In anderen Funktionskreisen des Verhaltens (Feindabwehr) lernen sie jedoch kaum, und auch das Lernen bei der Futtersuche ist an bestimmte Reizkonstellationen geknüpft. So merken sich die Bienen eine Blütenfarbe ( Farbensehen II ) nur beim Anflug, nicht aber, wenn sie bereits auf der Blüte sitzen. – Lerndispositionen verändern sich während der Ontogenese – beispielhaft am Lernprozeß der Prägung zu sehen, bei dem keine neuen auslösenden Reize an eine primär vorhandene Reaktion geknüpft werden (wie beim bedingten Reflex und der bedingten Appetenz), sondern die größere Anzahl der anfänglich potentiell auslösenden Reizmuster auf ein einziges (oder einige wenige) eingeschränkt wird. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, daß, wenn das zeitliche und räumliche Zusammentreffen zweier Ereignisse häufig bereits die Ursache für eine Verknüpfung ist (Assoziation, Kontiguität), artspezifische Lerndispositionen dafür sorgen, daß auch andere Ursachenverknüpfungen und sogar somit auch andere Formen des Kausaldenkens möglich werden. Ein Beispiel für eine andere Ursachenverknüpfung: Übelkeit wird mit längerer Zeit vorher Verspeistem und nicht mit den zum Startzeitpunkt der Übelkeit vorherrschenden Gegebenheiten in Verbindung gebracht. Auf gewisse Lern-Erfahrungen sind Lebewesen stammesgeschichtlich vorbereitet (prepared learning). Der Mensch ist auf einige bestimmte, stammesgeschichtlich gesehen relevante Phobien, wie Spinnen-, Hunde- und Schlangenangst (Angst, Dunkelangst, Furcht), disponiert und beginnt im Alter zwischen 3 und 5 Jahren eine genetisch vorbereitete Schlangenfurcht zu präsentieren, sobald er mit Schlangen oder Schlangenähnlichem konfrontiert wird. Jüngere Kinder zeigen keine Furcht vor Schlangen. Inzesttabu.

G.H.-S./M.A.