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Lexikon der Biologie

Mastzellen

Mastzellen, gelegentliche Bezeichnung Allergiezellen, träge, amöboid bewegliche (amöboide Bewegung), kleine Zellen des Abwehrsystems (Immunsystem, Blutzellen) der Wirbeltiere und des Menschen mit stark basiphil (Toluidinblau; Toloniumchlorid) anfärbbarem, granulareichem Plasma. Mastzellen sind zahlreich im Bindegewebe unterhalb der Epithelien (Gewebsmastzellen; vgl. Abb. ), seltener als Blutmastzellen (basophile Granulocyten; vgl. Abb. ) im zirkulierenden Blut (ca. 1–2% der Leukocyten) anzutreffen. Sie differenzieren sich vermutlich aus pluripotenten Stammzellen im Knochenmark (Blutbildung [Farbtafel]). Die Mastzellen gehören zur ersten Verteidigungslinie gegen eindringende pathogene Organismen. Ihre Granula enthalten die Mediatoren Heparin, Histamin, Bradykinin, eine Reihe weiterer, nicht genauer bekannter Wirkfaktoren und bei manchen Tieren Serotonin (Gewebshormone). Durch Kontakt mit Antigen-Antikörper-Komplexen (Immunkomplex) werden die Mastzellen zur Exocytose ihrer Granula angeregt ( vgl. Infobox ). Die Ausschüttung von Histamin und Serotonin wirkt auf die Gefäßwandmuskulatur (Blutgefäße) und die Kapillarendothelien (Endothel) und verursacht lokale Gefäßerweiterungen sowie eine Steigerung der Kapillar-Permeabilität, wodurch Plasma-Antikörper aus den Gefäßen in das umliegende Gewebe, also zum Reizherd, gelangen. Bradykinin und andere Faktoren locken zudem weitere Zellen des Abwehrsystems (Granulocyten, Makrophagen) chemotaktisch (Chemotaxis) an. Heparin hemmt die Blutgerinnung (Farbtafel) und hält so den Zutrittsweg zum Störungsherd für die anderen Abwehrkomponenten frei. Auf diese Weise lösen die Mastzellen eine kontrollierte lokale Abwehrreaktion aus und bereiten gleichzeitig den Organismus auf mögliche weitere Angriffe vor. Der besonders von Histamin und Serotonin ausgehende Reiz ist bei atopischen (Atopie) Individuen und Allergikern für die typischen allergischen Reaktionen verantwortlich. Allergie, Aminosomen, anaphylaktischer Schock, Desensibilisierung, Entzündung, Überempfindlichkeitsreaktionen.



Mastzellen

1 basophiler Granulocyt (Blutmastzelle) im Blutausstrich, umgeben von Erythrocyten (lichtmikroskopische Aufnahme); 2 Gewebsmastzelle mit typischen Granula (elektronenmikroskopische Aufnahme)

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