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Lexikon der Biologie

Mitogene

Mitogene [von *mito- , griech. gennan = erzeugen], Bezeichnung für eine heterogene Gruppe von Substanzen, welche bei Zellen den Eintritt in den Zellzyklus ( Mitose ) stimulieren. In der Regel beruht die Wirkung von Mitogenen auf der Auslösung oder Überbrückung von Signalleitungsprozessen (Signaltransduktion), die in der Zelle zuvor nicht aktiv waren. Zu den physiologischen Mitogenen zählen u.a. die Wachstumsfaktoren (z.B. EGF [epidermal growth factor], PDGF, TGF), einige Hormone (z.B. Somatomedine, Somatotropin) und manche Cytokine. Sie wirken als externe Moleküle über spezifische Rezeptoren in der Plasma-Membran der Zielzellen. Lectine, wie etwa Phytohämagglutinin oder Concanavalin A, werden experimentell als Mitogene eingesetzt. Sie sind unphysiologische Liganden von Zell-Rezeptoren, lösen jedoch ähnliche stimulierende Signalwege aus. Bei der Abwehr vieler bakterieller Infektionen ist die mitogene Wirkung des bakteriellen Lipopolysaccharids auf Immunzellen wichtig. Die Untersuchung von Mitogenen hat wesentlich zum Verständnis der zellulären Signalleitung und zur Tumorforschung (Krebs) beigetragen. So ist z.B. die Entdeckung der MAP-Kinasen (Mitogen-aktivierte Protein-Kinasen) und ihrer Funktionen im Zellzyklus darauf zurückzuführen. Umgekehrt werden auf Grundlage der genauen Aufklärung der mitogenen Signalwege und der beteiligten Proteine ständig neue spezifische mitogene und anti-mitogene Wirkstoffe entdeckt und entwickelt.

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