Nashornvögel, Bucerotidae, Familie altweltlicher Rackenvögel mit 56, nach anderen Auffassungen über Eigenständigkeit 45–48 Arten. 33–160 cm lang; große, zum Teil leuchtend gefärbte Schnäbel (Schnabel) mit helm- oder hornartigen Höckern. Trotz des wuchtigen Aussehens ist der Schnabelaufsatz leicht, da er nur aus einer dünnen Hornschicht besteht und mit lockerem, schwammartigem Gewebe gefüllt ist; lediglich beim bis 1,6 m großen Schildhornvogel, Schildschnabel oder Helmvogel (Rhinoplax vigil), der auf Sumatra und Borneo lebt und ebenso wie andere Arten im Bestand bedroht ist, besteht er aus einer massiven elfenbeinartigen Masse; dadurch ist der Vogel im Flug so stark kopflastig, daß zum Ausgleich die mittleren Schwanzfedern stark verlängert sind und einzeln gemausert (Mauser) werden müssen. Viele Arten mit auffällig gefärbten Kehlsäcken, die aufgeblasen werden können. Südasien, Malaiischer Archipel, Mittel- und Südafrika sind die Heimat der Nashornvögel. Bis auf die bodenlebenden, langbeinigen Hornraben (Bucorvus) sind es Baumvögel, die sich gemischt von Früchten, Körnern und Insekten ernähren und auch kleine Wirbeltiere jagen; der lange Schnabel dient zum Aufweichen der Nahrung. Außerdem ermöglicht er als „verlängerter Arm“, Früchte von dünnen Zweigen zu holen, auf denen die Vögel wegen ihres Gewichts nicht sitzen können. Sie leben außerhalb der Brutzeit gesellig und bilden auch Schlafgemeinschaften. Nashornvögel führen eine lebenslange Einehe. Bis auf die Hornraben brüten alle in Baumhöhlen. Brutauslöser in Trockengebieten ist die Regenzeit. Wenn das Weibchen die 2–5 weißen Eier bebrütet, wird der Eingang der Höhle vom Männchen oder beiden Partnern bis auf eine schmale Öffnung mit Erde und Kot zugemauert, vermutlich zum Schutz vor Feinden. Während dieser Wochen bis Monate dauernden „Gefangenschaft“ werden das Weibchen und später meist auch die geschlüpften Jungen vom Männchen gefüttert. Gleichzeitig mausert das Weibchen sein Gefieder im Schutz der Höhle. Bei den relativ kleinen Tokos (Tockus) verläßt das Weibchen vor den Jungen die Höhle und beteiligt sich an der Fütterung; die Jungen mauern sich selbst sofort wieder ein. Diese Gattung ist mit 15 Arten, die in Afrika südlich der Sahara verbreitet sind, die umfangreichste. Der schwarz-weiß-gelbe Doppelhornvogel (Buceros bicornis; ö vgl. Abb. und Asien VII ) ist, wie auch etliche andere Arten, häufig in Zoos zu sehen; seine Heimat liegt in Südasien, vom westlichen Indien bis Südchina und im indomalaiischen Raum. Diese bis 120 cm große Art wird durch radikale Abholzungen gefährdet; ihr Lebensraum sind die Baumkronen des Regenwaldes. Noch etwas größer werden die beiden Arten Sudanhornrabe (Bucorvus abyssinicus; ö vgl. Abb. ), der von Westafrika bis zum westlichen Kenia vorkommt, und Kaffernhornrabe (Bucorvus cafer), verbreitet im Anschluß daran bis ins südlichste Afrika. Eine ähnliche Verbreitung wie letztere Art besitzt auch der Trompeterhornvogel (Bycanistes oder Ceratogymna bucinator), der einen laut schallenden Ruf von sich gibt. Der Rhinozerosvogel (Buceros rhinoceros) bewohnt Malaya, Sumatra, Java und Borneo.

M.N./O.H.



Nashornvögel



1 Silberwangen-Hornvogel (Bycanistes brevis); 2 Doppelhornvogel (Buceros bicornis). 3 Der Sudanhornrabe (Bucorvus abyssinicus) ist schwarz; er hat nackte rote (Männchen) oder blaue Kopf- und Halspartien. 4 Der Jahrvogel (Aceros plicatus) ist ein schwarzer, ca. 1 m langer, paarweise in den Wäldern Hinterindiens lebender Nashornvogel mit weißem Schwanz, Kopfhaube und Schnabelaufsatz.