Proterandrie w [von *proter- , griech. andres = Männer; Adj. prot(er)andrisch], Protandrie, Erstmännlichkeit, Vormännlichkeit, 1) Botanik: das Reifen der staminaten vor den karpellaten Blütenteilen (Blüte) als Mechanismus zur Verhinderung der Selbstbestäubung (Autogamie). Proterogynie. 2) Zoologie: der häufige Fall, daß konsekutiv-zwittrige Tiere (Zwittrigkeit) zuerst männlich sind und später (meist nach weiterem Wachstum) weiblich; kommt vor bei vielen Plattwürmern, Ringelwürmern, Schnecken (Hinterkiemer und Lungenschnecken, als Ausnahme auch bei Vorderkiemern, Pantoffelschnecke) und Manteltieren; auch bei einzelnen Nesseltieren (Kompaßqualle), Gliederfüßern (Termitoxenia, eine in Termitennestern parasitierende Buckelfliege) und Stachelhäutern. Proterandrie ist viel häufiger als Proterogynie. Dies ist verständlich, denn für die männliche Phase (Produktion winziger Spermien) genügt eine geringere Körpergröße als für die weibliche Phase (Produktion dotterhaltiger, meist großer Eizellen). Diese Deutung steht auch im Einklang mit den Befunden beim Polychaeten Ophryotrocha (Geschlechtsumwandlung). – Vereinzelt wird der Begriff Proterandrie in der Literatur – ähnlich der botanischen Bedeutung – für Fälle verwendet, bei denen die Männchen früher geschlechtsreif werden als die Weibchen. Proterandrie und Proterogynie verhindern die Selbstbefruchtung.