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Lexikon der Biologie

Protocyte

Protocyte w [von *proto- , griech. kytos = Höhlung, Zelle], Procyte, sprachlich korrektere Bezeichnung Protocyt, Bezeichnung für den Organisationstyp der prokaryotischen Zelle (Prokaryoten), der u.a. durch das Fehlen eines echten, von einer Kernmembran (Kernhülle) umschlossenen Zellkerns charakterisiert ist. Die die Erbinformation tragende DNA liegt frei im Cytoplasma und ist nicht in Untereinheiten aufgeteilt (Nucleoid). In den Zellen liegen oft Plasmide, die für das Wachstum der Zelle normalerweise nicht notwendig sind, aber Gene für spezifische Eigenschaften enthalten. So sind die Gene oft für Antibiotika-Resistenz, Pathogenität bzw. Virulenz von pathogenen Bakterien auf Plasmiden lokalisiert. Es findet sich eine nur sehr geringe Kompartimentierung der Zelle durch intracytoplasmatische Membranen. Mitochondrien und Plastiden fehlen völlig. Die Geißeln (Cilien, Bakteriengeißel) sind einfache Proteinfibrillen und nie nach dem „9 +2-Muster“ (Axonema [Abb.]) der Eucyte aufgebaut. Die Zellen sind auch morphologisch wenig differenziert und meist sehr klein (durchschnittliche Länge ca. 5 μm, Dicke ca. 1 μm). Die Größe der kleinsten bekannten Zellen (Mycoplasma genitalium, Nanoarchaeum equitans) beträgt nur ca. 0,4 μm, die der größten (Epulopiscium fishelsoni, Thiomargarita) ca. 0,5–0,75 mm. Die Protocyte ist bis auf wenige Ausnahmen von einer festen Zellwand umgeben, die bei den Eubakterien (Bakterienzellwand) Murein enthält. Archaebakterien besitzen gleichfalls eine Zellwand, die unterschiedlich zusammengesetzt sein kann, aber nie Murein enthält. Bakterien (Abb.), Cyanobakterien, Endosymbiontenhypothese, Evolution der Eucyte, Leben, Zelle (Abb.).

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