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Lexikon der Biologie

Radiolaria

Radiolaria [von *radiol- ], Radiolarien, Strahlentierchen, Polycystinen, nach herkömmlicher Systematik artenreiche Ordnung der Wurzelfüßer, die ein Skelett aus Kieselsäure (bei den Acantharia aus Strontiumsulfat) ausbilden. Die verschiedenen Skelettypen ( vgl. Abb. 1 ) sind die Basis einer ungeheuren Formenmannigfaltigkeit. Danach erfolgt klassischerweise die Einteilung in die Unterordnungen Peripylea, Monopylea, Tripylea und Acantharia. Radiolarien leben planktonisch (Plankton) in warmen und kalten Meeren und können durch Anreicherung infolge Lösungsselektion unterhalb der CCD (Calcit-Kompensationstiefe, um 3700 m; Tiefenlage, in der kein Calcit mehr akkumuliert werden kann, da die Calcitzufuhr durch Lösung ausgeglichen wird) den Radiolarienschlamm bilden. Fossile Vorkommen von Radiolarien wurden offenbar durch hohe Si02-Gehalte vor allem unter vulkanischem Einfluß u.a. auch in Schelfgebieten begünstigt (Radiolarit). Radiolarien mit den fossilen Unterordnungen Spumellaria und Nasselaria gehören zu den ästhetisch schönsten Invertebraten überhaupt. Geologisches Vorkommen: ab dem ?Oberen Präkambrium; sicher ab Kambrium. – Der Plasmakörper ist meist kugelig. Die nach allen Seiten ausstrahlenden Pseudopodien sind Axopodien oder Filopodien ( vgl. Abb. 2 ). Innerhalb der Zelle ist durch eine mit Poren versehene Membran ein zentraler Bereich abgegrenzt, der den (die) Kern(e) enthält (Capsulum). Im inneren und äußeren Plasmabereich (Extracapsulum) liegen verschiedene Einschlüsse (Ölkugeln, Kristalle, Zooxanthellen). Über die Fortpflanzung ist fast nichts bekannt. Manche Arten machen eine Zweiteilung, bei anderen wurde Vielfachteilung beobachtet, aus der 2geißelige Schwärmer mit kristallinen Einschlüssen (Kristallschwärmer) hervorgehen. – Neuere Untersuchungen der Feinstruktur, ihrer Entwicklung und der chemischen Zusammensetzung der Skelettelemente legen nahe, daß die Radiolaria keine monophyletische Gruppe sind. Sie werden zusammen mit den Heliozoa (Heliozoea; Sonnentierchen) zum Taxon Actinopodea zusammengefaßt und bilden innerhalb dieses Taxons 3 Subtaxa, die Acantharea mit Stacheln aus Strontiumsulfat, die Polycystinea mit sehr „kunstvoll“ gebauten Skeletten aus Silicat, die aus Nadeln und regelmäßig perforierten Schalen bestehen, sowie die Phaeodarea, deren Skelettnadeln und Gehäuse aus amorphem Silicium mit Beimengung von organischen Substanzen sowie Spuren von Magnesium, Calcium und Kupfer bestehen. Haeckel (E.H.P.A.); Einzeller I , Skelett.



Radiolaria

Abb. 1:
1
Skelette, 2 Schnitt durch die Radiolarie Hexacontium mit 3 Gitterkugeln; 3 Acanthometron elasticum, ein Vertreter der Acantharia. Das Strontiumsulfatskelett der Akantharier besteht aus 10 Diametral- bzw. 20 Radialstacheln, die, regelmäßig angeordnet, im Zentrum miteinander verbunden sind. Durch einen hydrostatischen Apparat (zwischen den Stacheln aufgespannte Gallerte, die durch Myoneme in ihrer Form verändert werden kann) können die Akantharier ihr spezifisches Gewicht aktiv ändern und sich dadurch in verschiedenen Tiefen schwebend halten. Sie sind im Sommer im Mittelmeer ein häufiges Oberflächenplankton.



Radiolaria

Abb. 2:
Mikroskopische Aufnahme (Dunkelfeld) eines sessilen Radiolars unbekannter Art aus der Weddellsee mit sternförmigen Skelettstrahlen und (dazwischen) den ausgestreckten Filopodien

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