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Lexikon der Biologie

Rhesusfaktor

Rhesusfaktor m [benannt nach den Rhesusaffen], Abk. Rh-Faktor, ein 1940 von K. Landsteiner und A.S. Wiener bei Rhesusaffen entdecktes antigenes (Antigene) erbliches Merkmal der Erythrocyten (AB0-System, Blutgruppen). Die Nomenklatur nach Fisher-Race ergibt sich aus der 3-Gen-Theorie (der zufolge 3 Paare gekoppelter alleler Gene an 3 benachbarten Loci des gleichen Chromosomenpaares liegen). Die Gene sind mit D, C, E, d, c, e bezeichnet und resultieren in den 8 häufigsten Antigen-Kombinationen cDe, CDe, cDE, CDE, cde, Cde, cdE, CdE. Aufgrund der allelischen Kombinationen ergeben sich hieraus 36 Genotypen. Der Rhesusfaktor ist bei etwa 85% aller weißen Menschen vorhanden (Rhesus-positiv = Rh oder Rh+), bei ca. 15% fehlt er (Rhesus-negativ = rh oder Rh–). Wenn einem Rh-negativen Menschen Blut von einem Rh-positiven Spender übertragen wird (Bluttransfusion, Bluttypisierung), können sich im Blut des Empfängers Antikörper gegen den Rhesusfaktor bilden (Sensibilisierung). Bei einer späteren Transfusion mit Rh-positivem Blut kann es dann zu einer schweren allergischen Reaktion (Allergie) kommen. So kann z.B. eine Frau mit Rh-negativem Blut, deren ungeborenes Kind Rh-positiv ist, in der Schwangerschaft sensibilisiert werden, d.h., in ihrem Körper bilden sich anti-Rhesus-Antikörper ( vgl. Abb. ). Das erste Kind ist meist noch gesund. Bei weiteren Schwangerschaften kommt es zur Zerstörung der kindlichen Erythrocyten (Hämolyse) durch die mütterlichen Antikörper. Dies kann zur Folge haben, daß der Fetus im Uterus abstirbt oder bei der Geburt an schweren Anämien oder Gelbsucht (Ikterus) erkrankt (Neugeborenen-Erythroblastose, hämolytische Krankheit der Neugeborenen; Therapie durch Blutaustausch). Das Vorhandensein von anti-Rh-Antikörpern kann im Coombs-Test nachgewiesen werden; dieser Nachweis beruht auf anti-Antikörpern (im Tier hergestellte, gegen humane Antikörper gerichtete Antikörper), welche, in der Anwesenheit von anti-Rh–Antikörpern, zu einer Vernetzung (Agglutination) von Rhesus-positiven Erythrocyten führen. Die Entstehung von anti-Rh-Antikörpern kann vermieden werden, indem der Mutter nach der Geburt Antikörper gegen die Rhesus-Antigene verabreicht werden, die eine Immunisierung verhindern (blockierende Antikörper). Amniocentese, Anti-D-Immunglobuline, Fruchtwasser, Reproduktionsimmunologie.



Rhesusfaktor

Darstellung der fortschreitenden Antikörperbildung im Blut einer rh-Mutter. Bei einem Rh-Vater und einer bereits sensibilisierten rh-Mutter (meist erst beim 2. Kind) kann das Neugeborene durch eine sofortige Austauschtransfusion gerettet werden. Die Übertragung von Rh-Blut auf einen bereits sensibilisierten rh-Empfänger hat schwerste Komplikationen zur Folge. – Obwohl unter der mitteleuropäischen Bevölkerung etwa 12% aller Ehen zum „unverträglichen Typus“ gehören, rechnet man nur in ca. 2–5% der Rh-unverträglichen Ehen mit der Entstehung einer Sensibilisierung.

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