Sexualhormone [von *sexual- ], Geschlechtshormone, bei Wirbeltieren und Mensch die sich vom Cholesterin ableitenden Steroide (Steroidhormone) der Östrogene, Androgene und das Progesteron. Sie werden in beiden Geschlechtern in den Gonaden (Hoden, Ovar) wie auch in der Nebenniereninde (Corticosteroide; Nebennierenhormone) gebildet, wobei Progesteron beim Mann offenbar nur als sekundäres Stoffwechselprodukt auftritt. Androgene und Östrogene sind während des Wachstums für die normale körperliche Entwicklung wie für Ausbildung und Regulation der Gonadenzyklen (Oestrus) und der sexuellen Verhaltensweisen wichtig. Produktion und Sekretion der Sexualhormone stehen unter der Kontrolle der in beiden Geschlechtern vorkommenden gonadotropen Hormone FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon), wobei im männlichen Geschlecht die Androgene, im weiblichen die Östrogene überwiegen. Die Sexualhormone bewirken die Differenzierung und Entwicklung der Geschlechtsorgane und die Bildung der sekundären Geschlechtsmerkmale. Zu den extragenitalen Wirkungen zählt im wesentlichen die Beeinflussung verschiedener Verhaltensweisen (Sexualverhalten, Aggression, Erkundungsverhalten und Freßverhalten [Nahrungserwerb], beim Menschen sind Einflüsse auf kognitive Funktionen wie Sprache und räumliches Denken nachweisbar) und, vor allem im männlichen Geschlecht, Einflüsse auf die Proteinsynthese, insbesondere die der Myofibrillen, so daß gegenüber dem weiblichen Geschlecht ein relativ hoher Muskelanteil (Muskulatur) resultiert (anabole Wirkung, Anabolika). Unter dem Einfluß der Androgene (Testosteron) entwickelt sich das männliche Geschlecht, wobei der Wolffsche Gang erhalten bleibt und der Müllersche Gang reduziert wird. Ohne sie erfolgt die gegenteilige Entwicklung zum weiblichen Geschlecht. Langzeitige Wirkungen von Sexualhormonen sind für die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Gehirn verantwortlich. Sexualsteroide können die Blut-Hirn-Schranke durchdringen und zentralnervös an spezifische Rezeptoren im Hypothalamus, limbischen System und Neocortex binden. – Bei verschiedenen Wirbellosen sind ebenfalls Sexualhormone nachgewiesen (Neuropeptide [Infobox]). Bei Arthropoden, insbesondere Insekten, wurden ein „EDNH“ (egg development neurosecretory hormone; Insektenhormone [Tab.]) des Gehirns, das auf die Ovarien wirkt, identifiziert sowie die u.a. die Eibildung (Oogenese) beeinflussenden Hormone Ecdyson und Juvenilhormon. Bei Krebsen sind u.a. das gonad-inhibiting-Hormon aus der Sinusdrüse und das Vitellogenese-inhibierende Hormon bekannt. – Sexualhormone sind auch bei Niederen Pflanzen bekannt (Phytohormone). Dazu gehören die 7-Ketosteroide Antheridiol und Oogoniol des Wasserschimmelpilzes Achlya, die Trisporsäuren des Jochpilzes Mucor (Mucorales) und das Antheridiogen des Spaltast-Farns Anemia phyllitidis (Schizaeaceae). biotechnische Schädlingsbekämpfung, Butenandt (A.F.J.), Doisy (E.A.), Geburt, Geschlechtsbestimmung, Geschlechtsumwandlung, Hormone (Tab.), Kastration, Menstruationszyklus (Farbtafel), Pheromone, Placenta-Uhr, Pubertät, Schwangerschaft, Sexualdimorphismus, Sexuallockstoffe, Wehrsekrete.