Staatsquallen, Siphonophora, Ordnung der Hydrozoa mit ca. 150 marinen Arten; der Körper der größten Arten erreicht 2,2 m Durchmesser, bei manchen sind die Fangfäden bis 50 m lang. Alle Staatsquallen sind freischwimmende Hydrozoenstöcke (Tierstöcke) mit vielen verschiedensten Polypen und Medusen (Personen). Innerhalb der Kolonie ist eine Spezialisierung der Personen auf bestimmte Funktionen die Regel (Arbeitsteilung [Abb.]). Die Staatsquallen bilden frei schwimmende Kolonien, aber keine frei schwimmenden Medusen. Sie zeigen eine ausgeprägte Vielgestaltigkeit: die Einzeltiere sind so stark spezialisiert, daß sie sozusagen als „Organe“ eines übergeordneten Organismus anzusehen sind. Ihre Basis ist ein unverzweigter, schlauchförmiger Stamm, an dem vom aboralen zum oralen Ende hin folgende spezialisierte „Individuen“ oder Zoide (Zooide; Heterozoide) unterschieden werden können: Pneumatophoren (Schwimmboje), mitunter mit Gasdrüsen, Nektophoren (Schwimmglocken), die den Auftrieb verstärken, Phyllozoide (Phyllozooide, Deckstücke), die Schutzfunktion haben, Dactylozoide (Dactylozooide; mit Nesselfäden [Fangfäden] versehene Wehrpolypen, die zu Verdauungsorganen umgebildet sind), Gastrozoide (Gastrozooide, Trophozoide, Gasterozoide; Nährzoide) und Autozoide (Autozooide), die als Trophozoide (Trophozooide, Freßpolypen; Nährpolypen) an ihrer Basis Tentakeln tragen, sowie Gonozoide (Gonozooide) als Geschlechtspolypen (Geschlechtstiere). Die Kolonien tragen meist männliche und weibliche Gonozoide. Die Befruchtung geschieht im freien Wasser, die Entwicklung erfolgt über eine Sterrogastrula zu Planulalarven (Planula), an denen spezifische Knospungen ablaufen. Die Staatsquallen zeigen eine große Vielfalt an Larventypen. Man unterscheidet nach neuerer Systematik 3 Subtaxa: die Cystonectida (mit differenziertem Pneumatophor, ohne Nektophoren und Phyllozoide), zu denen u.a. die Portugiesische Galeere (Physalia physalis) gehört, die Physophorida (mit Pneumatophor und meist auch Nektophoren) und die Calycophorida (ohne Pneumatophor, aber immer mit Gonaden bildenden Nektophoren). In der älteren Systematik wurden 2 Unterordnungen unterschieden, die Siphonanthae mit schlauchförmiger gestreckter Achse (Primärpolyp) und vielen Nährpolypen und die Disconanthae, die scheibenförmig sind und nur einen zentralen Nährpolypen haben. Nach phylogenetischen Gesichtspunkten (phylogenetische Systematik) werden die Disconanthae heute als Velellina (Segelquallen) zu den Hydroidea (Athecatae) gestellt. Calycophorae (Abb.), Hydrozoa (Abb.), Leuckart (R.K.G.F.), Pelagohydra (Abb.), Physophorae, Porpita, Segelqualle; Hohltiere I , Hohltiere III .